Jiu Jitsu
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JIU- (gesprochen ”Dschuu”) bedeutet sanft, nachgiebig, bereitwillig |
| JITSU- (gesprochen ”Dschitsu”) bedeutet Kunst, Kampfkunst, Kriegstechnik |
Jiu Jitsu kann man sinngemäß übersetzen als ”die sanfte Kunst” der Selbstverteidigung.
Beim Jiu Jitsu wird der Angriff des Gegners ausgenutzt, um diesen gegen den Angreifer selbst zu nutzen und ihn zu überwältigen. Nach dem Prinzip ”siegen durch nachgeben” wird dem Angriff durch schnelles Ausweichen entgegnet, durch den Einsatz einer Technik der Gegner abgewehrt und anschließend kontrolliert.
Inhalt des Jiu Jitsu
Jiu Jitsu ist eine umfassende, aus Japan stammende Kampfkunst, bei
welcher Wurftechniken (Nage Waza), Grifftechniken (Katame Waza) und
Schlagtechniken (Atemi) eingesetzt werden können, wobei in den hunderten
veschiedenen Schulen (Ryu) und Stilrichtungen (Ryu-ha)
unterschiedliche Technikgruppen bevorzugt werden.
So ist z.B. für ihre Schlag- und Festlegetechniken die Tenshin shinyo ryu
bekannt, während die Wurftechniken eine Spezialität der Kito Ryu darstellen
und die Daito Ryu viele Gelenkhebeltechniken (Kansetsu Waza)
lehrt.
Jiu Jitsu ist eine waffenlose Selbstverteidigung gegen verschiedene Angriffsarten. Die Angriffe können als Nah- oder Distanzangriffe, im Stand oder am Boden, bewaffnet oder unbewaffnet erfolgen. Angriffe in der Nahdistanz sind z.B. Körperangriffe wie Körperumklammerungen, Würgegriffe, Schwitzkasten, Haarzug u.s.w. Unbewaffnete Distanzangriffe sind z.B. Faustschläge und Fußtritte und bewaffnete Angriffe erfolgen z.B. mit einem Kurz- oder Langstock, Messer, Schußwaffe oder mit alltäglichen Gegenständen wie z.B. einer Flasche oder einem Gürtel.
Die Abwehren gegen die verschiedenen Angriffe können durch ausweichen, blocken, schlagen, treten, werfen, hebeln, würgen, festlegen/sistieren und transportieren erfolgen.Sie erfolgen je nach Intesität des Angriffs durch Beachtung des Notwehrrechts, welches jeder Lehrer des DJJB kennen muß.
Durch regelmäßiges üben dieser Kampfkunst wird eine körperliche Fitneß und somit
die Erhaltung der Gesundheit, eine Vervollkommnung des Charakters und der
Persönlichkeit, das nötige Selbstvertrauen und die geistige Reife erstrebt.
Die geschichtliche Entwicklung des Jiu Jitsu
Der Ursprung des Jiu Jitsu ist nicht eindeutig, seine Wurzeln sind
wahrscheinlich in Indien zu suchen. Ausgehend von der indischen
Massagekunst entwickelte sich schon im Altertum eine zweckbestimmte
Kenntnis von schmerzverursachenden Griffen. Vermutlich fand diese
Kenntnis ihren Weg von Indien nach China.
Dort wurden die Techniken von Angehörigen religiöser Kreise
weiterentwickelt. Das Wissen um diese schmerzempfindlichen Punkte wurde
vermutlich um 1600 nach Japan eingeführt.
Der
eigentliche Begriff ”Jiu Jitsu” entstand erst im 18. Jahrhundert. Ursprünglich
war Jiu Jitsu unter verschiedenen Bezeichnungen (Yawara, Aiki [ju]
jutsu, Hakuda, Kempo, Kogusoku, Koshi no mawari, Kumi uchi, Tai jitsu, Torite,
Shubaku etc.) ein Ausbildungsbestandteil der verschiedenen Kampfschulen der
japanischen Kriegerklasse (Bushi, Samurai), neben den in der jeweiligen
Schule gelehrten Waffentechniken und wurde im ”Bushido”, dem sogenannten
Ehrenkodex der Samurai festgelegt. Die Meiji-Periode (1868-1912) führte zum
Niedergang der Samurai. Japan öffnete sich westlichen Einflüssen,
vernachlässigte teilweise altes Brauchtum und schenkte auch den alten
Kriegskünsten lange Zeit keine Beachtung.
Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde es wieder als traditionelles Gut in die
japanische Kultur einbezogen, wobei der kriegerische Aspekt durch den
sportlichen und geistigen ersetzt wurde.
Verbreitung des Jiu Jitsu in Deutschland
Der wichtigste Lehrer, der ins Ausland ging, war Katsukuma Higashi. Erich Rahn, der ”Meister der 1000 Jiu Jitsu Griffe” war Begründer des Jiu Jitsu in Deutschland. Er lernte hauptsächlich von Higashi. Er eröffnete 1906 in Berlin die erste Jiu Jitsu Schule Deutschlands. Bedingt durch die beiden Weltkriege gab es auch bei uns und Höhen und Tiefen zu überwinden.
1945
verboten die Alliierten durch das Kontrollrat-Gesetz die Ausübung des Jiu Jitsu.
Erst in den 50er Jahren gelang es nach zähen Verhandlungen das Gesetz wieder
aufzuheben. Seither hat sich Jiu Jitsu wieder stärker in Deutschland etabliert
und es entstand eine Vielzahl von Verbänden, in denen Jiu Jitsu gepflegt und
unterrichtet wird. Durch eine freundschaftliche Beziehung unserer Lehrer zu
Großmeister Erich Rahn, wo sie auch einige Prüfungen mit hervorragenden
Leistungen absolvierten, wurden sie in ihrem Weg bestätigt, einen eigenen
Verband im damaligen Deutschland-West zu gründen, den Deutschen Jiu Jitsu Bund
e.V., der sich auf viele Landesverbände in ganz Deutschland erstreckt.
Heute wird Jiu Jitsu bei verschiedenen Militär- und Polizeieinheiten in seiner
ursprünglichen Bedeutung als militärisches Nahkampfsystem, bzw. zur Erfüllung
von Polizeiaufgaben eingesetzt, oder als zivile Selbstverteidigungsmethode
gelehrt.
Jiu Jitsu ist auch die Quelle vieler neuer Kampfkunst-Formen. So entwickelte Jigoro Kano Ende des 19. Jahrhunderts das mittlerweile zur olympischen Disziplin gewordene JUDO vor allem aus den Jiu Jitsu Schulen Tenshin shinyo ryu und Kito ryu. Morihei Ueshiba schuf sein AIKIDO in erster Linie aus dem Daito ryu aiki ju jutsu, und schließlich haben auch etliche Stilrichtungen des KARATE, welches generell allerdings eine andere Geschichte hat, ihre Wurzeln im Jiu Jitsu. Von den prominenteren Stilrichtungen ist hier vor allem das Wado ryu karate zu nennen, dessen Gründer Hironori Otsuka, Meister des Yoshin ryu jiu jitsu kempo war.
