Das KID-Seminar 2008

Das alljährliche KID-Seminar, das traditionsgemäß im Januar stattfindet und fester Bestandteil der Verbandskultur der Korporation Internationaler Danträger (KID) ist, kehrte auch in diesem Jahr wieder im Sportzentrum in Radevormwald ein.
Die Anreise dorthin war für die KID-Mitglieder wie im Vorjahr ohne große Schwierigkeiten zu meistern, denn der Weg war bekannt und der erwartete Wintereinbruch blieb wiederum aus. Alle 48 Teilnehmer, die aus allen Teilen der Bundesrepublik zur Jahreshauptversammlung und dem anschließenden Neujahrsessen angereist waren, kamen pünktlich in Radevormwald an.
Das diesjährige KID-Seminar begann mit einer Schweigeminute, denn am 1. Dezember 2007 ist das langjährige KID-Mitglied Günther Sallmann (4. Dan Jiu Jitsu) verstorben. Alle Mitglieder der KID und des Deutschen Jiu Jitsu Bundes (DJJB) verneigen sich im Geiste voller Achtung vor Günter Sallmann und wünschen ihm alles Gute auf seiner letzten Reise.
Im Rahmen des diesjährigen Seminars der KID wurden Petra Dressler und Hans-Joachim Wiemer mit der goldenen Ehrennadel für 20-jährige Mitgliedschaft, Frank Hecker, Hartmut Köppen, Dirk Lunnemann und Thorsten Mindermann mit der silbernen Ehrennadel für 15-jährige Mitgliedschaft sowie Andreas Eggert und Ralf Rosse mit der bronzenen Ehrennadel für 10-jährige Mitgliedschaft geehrt. Der Vorstand der KID gratuliert auf diesem Wege nochmals den Jubilaren und hofft auch weiterhin auf eine gute und erfolgreiche Zusammenarbeit.
Am Samstagmorgen ging es dann nach dem Frühstück gleich in den Tagungsraum, wo zunächst die Themen vom Vorjahr und deren Umsetzung besprochen wurden. Ins Blickfeld gerückt wurden die
Deutschen Meisterschaften im Jiu Jitsu 2008 in Hagen. Michele Colonna berichtet über die getroffenen Vorbereitungen und den geplanten Ablauf der Meisterschaften. Diese wurden um das Gebiet des Bodenkampfes erweitert. Hierzu hatte die KID bereits im Vorjahr wertvolle Erfahrungen sammeln können. Das lag zum einen an dem im Vorjahr eingeladenen Gastreferenten Josie Murray (6. Dan Jiu Jitsu) als auch an den Meisterschaften der United Nations of Ju Jutsu (UNJJ), die im letzten Jahr von Deutschland in Zusammenarbeit mit der Hellenic Jiu Jitsu Federation (HJJF) in Griechenland ausgerichtet wurden. Dies war dann das Stichwort für Jürgen Rautert, die kommenden Meisterschaften der UNJJ 2008 in Gibraltar vorzustellen.
Weiteres Thema an diesem Tag war die neue Prüfungsordnung von KID/DJJB. Es wurden Änderungen und Neuerungen besprochen, wie auch in verschiedenen Workshops gearbeitet. Dort ging es im Wesentlichen um die abzufragenden Themengebiete der theoretischen Kenntnisse auf Seiten der Prüflinge, sowie um die Regeln zur Prüfungszulassung. Den Abschluss der theoretischen Seminarthemen machte der Vortrag von Volker Schwarz über das Thema Widerspruch von „Bu“ und „Do“, denn das so genannte „Kriegshandwerk“ scheint auf den ersten Blick mit dem inneren Frieden und der Harmonie des WEGES nur schwerlich, wenn nicht ganz und gar unvereinbar zu sein. Gerade diese Einsicht ist es, die den fortgeschrittenen Budoka in ein (gedankliches) Dilemma bringt, nämlich einerseits die Fähigkeit, sich selbst und andere womöglich verteidigen und das „Kriegshandwerk“ verrichten zu müssen und andererseits seinem WEG treu zu bleiben und Frieden und Harmonie zu bewahren. Letztlich ist damit jedem Budoka klar, dass aus seinen herausragenden Fähigkeiten auch eine große Verantwortung etwächst. Sich dieser Aufgabe bewusst zu sein und danach zu handeln, heißt dem WEG folgen.

Den praktischen Teil des Seminars am Samstag übernahmen Dieter Lösgen (10. Dan Jiu Jitsu) und Josef Djakovic (7. Dan Jiu Jitsu). Sie stellten im ersten Teil des Lehrgangs das Wurfsystem der neuen Prüfungsordnung vor. Die Würfe „De Ashi Barai“, „Sumi Gaeshi“, „Kata Ashi Dori“ und „Rio Ashi Dori“ werden zukünftig die bereits in der Prüfungsordnung verlangten und bekannten Judo-Würfe ergänzen. Gänzlich neu waren die Würfe den KID-Mitgliedern nicht, da diese bereits Bestandteil mannigfaltiger Verteidigungstechniken sind.

Im zweiten Teil des Lehrgangs beschäftigte man sich mit Abwehren vom Stuhl. Es wurde in Gruppen gearbeitet und anschließend wurden die Ergebnisse vorgestellt. So ist es durchaus möglich, einen waffenlosen Angriff im Sitzen auf einem Stuhl abzuwehren, ohne aufstehen zu müssen. Anders hingegen sieht es aus, wenn man auf dem Stuhl sitzend mit einer Waffe, zum Beispiel einem Kurzstock, angegriffen wird. Der Angreifer besitzt hier den Vorteil des verlängerten Schlagarms. Der Verteidiger muss an dieser Stelle aufstehen und die Distanz zum Angreifer verringern, um diesen erfolgreich abwehren zu können. – So verging die Zeit wie im Flug und dem technischen Teil des Lehrgangs folgte am Samstagabend das gemütliche Beisammensein mit sportlichem Kegeln, welches von Dieter Mäß vorbereitet und fachkundig geleitet wurde. Der Sonntagmorgen stand wieder im Zeichen des kreativen Arbeitens an theoretischen Fragestellungen rund um das Jiu Jitsu und Budo.
Nach dem abschließenden gemeinsamen Mittagsessen am Sonntag fuhren alle Teilnehmer getreu dem Motto: „Wem viel gegeben ist, von dem wird viel verlangt.“ (Johann Gottfried von Herder) mit vielen neuen Ideen und der Gewissheit, etwas Bleibendes für die KID und das Jiu Jitsu getan und gelernt zu haben nach Hause.

Text: Andreas Dolny; Bilder: DJJB/KID