"Hurra, ich bin im Film!" - Kleine & große Jiu Jitsuka mischen „MoviePark Germany“ auf

Zum dritten Mal fand der Kampfsporttag des „Dachverbandes für Budotechniken“ im „MoviePark Germany“ (Bottrop Kirchhellen) statt. Gemäß dem Slogan „Hurra, ich bin im Film!“ hat sich der eine oder andere Zuschauer und auch der Moderator (siehe unten) sicherlich gedacht, dass er in einer Stunt-Show gelandet ist, denn vom Wushu über Taekwon-Do bis hin zum Jiu Jitsu wurden einige der Budo-Künste gezeigt, die der Dachverband in Nordrhein-Westfalen beherbergt.

So wurde zum dritten Mal auch ein Einblick in die japanische Selbstverteidigung Jiu Jitsu geboten. Im Namen des Deutschen Jiu Jitsu Bundes präsentierte der Mülheimer Verein Bujindo e.V. wieder ein breites Spektrum des Jiu Jitsu auf der Bühne. Pünktlich um 14 Uhr liefen die Jiu Jitsuka ein…

Die Vorführenden Budoka des Bujindo Mülheim e.V.

…und direkt nach der Verbeugung ging es mit Frauenselbstverteidigung los. Eine – scheinbar – wehrlose Frau wird von zwei Männern in Lederjacken angegriffen. Ihr Leben ist in Gefahr! Und mit diesem Gedanken im Hinterkopf bleibt kein Raum für Spielchen – plötzlich der erste Angriff und dann geht alles ganz schnell… der eine Angreifer fliegt schon durch die Luft, und dann krümmt sich auch schon der Zweite auf dem Boden. Hier auf der Bühne – mit Musik umrahmt und mit Applaus der Zuschauer – ist alles Show, die Angreifer stehen wieder auf und verbeugen sich. Auf der Straße wäre das alles andere als selbstverständlich – weder, dass die Aggressoren aufstünden, noch dass sie sich mit Respekt verbeugen würden…

Frauenselbstverteidigung, Carina Eberhard wird von Nicolas Zink und Robert Bohdanowicz angegriffen

Weiter geht’s mit der Fallschule: hier zeigen erst die Kinder und dann die Fortgeschrittenen wie man vorwärts und rückwärts rollt ohne sich dabei Schmerzen zuzufügen. Sie demonstrieren den freien Fall (jap. Mae-Tobu), Flugrollen über Hindernisse und kombinieren Fallschule mit Verteidigungstechniken – auch das gehört zum Jiu Jitsu.

Die Kindergruppe in Kampfstellung

Die Kindergruppe demonstriert Abwehrtechniken

Dazwischen finden die Kleinen Zeit den neugierigen Blicken der Zuschauer die Abwehrtechniken zu zeigen, die sie in den letzten Wochen beim Dienstags-Training gelernt haben. Für die meisten Kinder war es die erste Vorführung, entsprechend waren sie aufgeregt. Doch auf der Bühne merkte man es ihnen kein Stück an, als sie einige simple und für Kinder entschärfte Abwehrtechniken zeigten – natürlich ohne Nachschlagen und ohne Aggressivität.

Jiu-Jitsu-Kata, demonstriert von Christian Weber und Oleg Tartakowski

Carina Eberhard kontrolliert die Angreiferin nach erfolgreicher Abwehrtechnik

Das sieht bei den Jugendlichen schon anders aus. Sie demonstrieren Abwehrtechniken aus der Wettkampfkategorie „Random Attack“, zu Deutsch: Zufallsangriff. Hierbei muss sich der Verteidiger gegen einen zufällig ausgewählten Angriff, aus maximal 40 Möglichen, verteidigen. Im Wettkampf weiß der Verteidiger nur, dass es einer davon sein wird, welcher Angriff es war, wird oft erst nach der beendeten Abwehrtechnik klar. Es wird die Reaktionsgeschwindigkeit und Realität der Abwehrtechnik beurteilt, aber auch die Dynamik und Exaktheit der Ausführung.
Unter die 40 Angriffe fallen auch einige, die mit einer Waffe durchgeführt werden. Diese werden von fortgeschrittenen Erwachsenen demonstriert. Abwehrtechniken gegen Kurzstock, gegen Messer, aber auch gegen Langstock werden auf der Bühne gezeigt: mal synchron, mal in Zeitlupe und mal in einer atemberaubenden Geschwindigkeit.

Wiebke Viebahn wehrt Angriff durch einem Hüftwurf ab

Nicht minder wichtig – als das Training der Abwehrtechniken gegen bewaffnete Angreifer oder aber gegen mehrere Angreifer – ist das Üben von „Kata“, der traditionellen Formen. So eine fest vorgeschriebene Bewegungsform, die im Jiu Jitsu zu zweit durchgeführt wird, folgte als nächstes im Programm des Bujindo. Besonderes Augenmerk wird bei Kata nicht nur auf Genauigkeit und Dynamik der Ausführung, sondern auf die Harmonie zwischen den beiden Trainingspartnern gelegt.
Als Kontrast zu der Kata, die nur dezent mit Musik untermalt wurde, folgte die Vorstellung einer weiteren Wettkampfform: „Pairs“ stand auf der Agenda. Wie der Name bereits verrät, tritt der Jiu Jitsuka auch hier wieder mit einem Partner an. Ziel der beiden ist es innerhalb von zwei Minuten ein selbsterstelltes Programm – eine Art Kür – zu zeigen, bei dem sich Angriff, Gegenangriff und Verteidigung sich fließend abwechseln. Für die Zuschauer waren die gezeigten Pairs-Programme besonders interessant. Nicht nur, weil aktuelle Deutsche Meister in dieser Kategorie ihre Pairs-Programme demonstrierten, sondern auch weil dabei die Vielfalt des Jiu Jitsu von Schlag- und Tritttechniken, über Hebel- und Würgetechniken bis hin zu spektakulären Würfen ausgeschöpft wurde.

Wettkampfkategorie Pairs, Oleg Tartakowski greift mit einem Halbkreistritt an

Und auch der Moderator des Kampsporttages durfte mal sein Mikrophon zur Seite legen und am eigenen Leib erspüren wie wirksam Jiu Jitsu ist. Ungläubig, dass ein kleines Kind ihn überwältigen könnte, betrat er die Matte und setzte zum Angriff an… Nach einer Verbeugung stellte sich ihm die zehnjährige Katharina Salomon entgegen und ohne auch nur mit der Wimper zu zucken blockte sie seinen Angriff ab, leitete die Wucht des Angreifers um (getreu dem Prinzip des Jiu Jitsu: „Nachgeben um zu Siegen“) und ehe sich Moderator versah, flog er durch die Luft und landete auf dem Rücken. Auch hier gab es Applaus für die mutige Katharina und natürlich auch für den fast noch mutigeren Moderator.

Angezogen von den Bässen der Musik und den Kampfkunst-Demonstrationen ließen sich viele der Besucher des Freizeitparks dazu hinreißen, zwischen Achterbahn und Karussell, ein paar Minuten zu verweilen und sich die Vorführungen der Mülheimer Jiu Jitsuka und der anderen Kampfkünstler anzuschauen. Anschließend, nach der Jiu Jitsu Vorführung, galt es dann auch für die 30 Vorführenden aus dem Mülheimer Jiu-Jitsu-Verein Bujindo samt Eltern den Park zu erkunden und die Fahrgeschäfte auf Herz und Nieren auszuprobieren.

Alles in allem trug der dritte Kampfsporttag abermals dazu bei, die Vielfalt des Budo in Nordrhein-Westfalen angemessen nach außen zu präsentieren und kann zum wiederholten Male als Erfolg bezeichnet werden, besonders für den Mülheimer Jiu Jitsu Verein Bujindo!

Text: Christian Weber, Oleg Tartakowski
Fotos: Dachverband für Budotechniken NW e.V.