Nach Griechenland folgte Gibraltar – 17te Meisterschaften der UNJJ auf Gibraltar

Nachdem Deutschland im letzten Jahr den griechischen Jiu Jitsu Verband bei der Durchführung der 16ten Weltmeisterschaften in Griechenland unterstützte, konnte sich Gibraltar in diesem Jahr auf die Hilfe Englands und Südafrikas verlassen.
Beide Länder haben geschichtlich lange Verbindungen. – Gibraltar ist seit 1830 britische Kronkolonie, aufgrund der Nähe zu Spanien gilt aber Rechtsverkehr auf den engen und oft steilen Straßen der Halbinsel.
Gibraltar liegt an der Nordseite der Straße von Gibraltar, an der Europa und Afrika am dichtesten beieinander liegen. Der an der Ostseite steil aus dem Meer aufragende Kalksteinfelsen Upper Rock fällt schon von weitem ins Auge.
Aber nun zum eigentlichen Event: Neun europäische und afrikanische Nationen trafen sich an drei Tagen mitten im Zentrum Gibraltars, direkt am Hafen im Bayside Sports Centre.
Die feierliche Eröffnung der UNJJ-Meisterschaften erfolgte am Freitag, den 24.10.2008 durch die Präsidentin der UNJJ, Janet Parker, und dem Sportminister von Gibraltar, Edwin Reyes. Berichtet wurde über dieses internationale Ereignis im Fernsehen und in der wichtigsten gibraltischen Tageszeitung, der „Chronicle“.
Die Gibraltar Broadcasting Corporation (kurz GBC) betreibt einen eigenen Radio- und Fernsehsender für Gibraltar und führte an den Mattenrändern Interviews durch. Nach einer eindrucksvollen Eröffnungszeremonie mit den seit genau 100 Jahren bestehenden Scouts aus Gibraltar mit britischer Marschmusik-Demonstration konnten die Teilnehmer, die aufgrund der geographischen Nähe auch aus Spanien und Marokko anreisten, drei Stunden unter den angereisten Ländervertretern der UNJJ trainieren.
Deutschland wird in der UNJJ vertreten durch den Präsidenten und Bundestrainer des Deutschen Jiu Jitsu Bundes, Dieter Lösgen (10. Dan Jiu Jitsu). Dieter Lösgen war übrigens nicht nur sehr beliebt bei den sehr jungen (kleinen) Teilnehmern, sondern wurde auch von Rundfunk und Presse belagert. So wollte man etwa von ihm wissen, ob die sprichwörtliche „Disziplin“ der Deutschen auch im Bereich des Jiu Jitsu zu beobachten ist und ob sie ebenfalls in den Wettkämpfen positiv zu Buche schlägt.
Am Tag darauf starteten die Wettkämpfe in den Wettkampfdisziplinen Random Attack, Ground Fighting und Sparring.
Am Sonntag folgten die Kategorien Kata (mit Waffen und waffenlos) und Team Demonstration. An den zwei Wettkampftagen wurden insgesamt 200 Anmeldungen ausgekämpft, und die Siegerehrung konnte am Sonntag den 26.10.2008 unter der Begeisterung der Zuschauer stattfinden.
Der 19-Jährige Michael Hennebeil vom TBF Essen-Frintrop, dem Dojo Dieter Lösgens, startete mit einer Wildcard in der Wettkampfkategorie Semikontakt, nachdem er in einer intensiven Vorbereitungsphase, in der er von Jürgen Rautert (2. Dan Jiu Jitsu, Delegierter für die UNJJ) für diese besondere Aufgabe vorbereitet wurde und gewann seine ersten drei Kämpfe souverän.
Im Finalkampf musste er sich jedoch dem Kampfrichterurteil beugen und sich gegen den starken englischen Ranglistenkämpfer und IJJF Nationalkämpfer Andy Walker geschlagen geben. Durch seinen beherzten Kampfstil hat sich Michael aber viele Freunde gemacht – und das nicht nur im englischen Lager.
Da alle Disziplinen bis zum Finale ausgekämpft wurden, musste Michael anschließend im Bodenkampf (in der Gewichtsklasse unter 90 kg) antreten. Trotz einer schmerzhaften Schulterprellung, die er sich im Finalkampf zuzog, konnte er mit der medizinischen Hilfe von Dieter Lösgen das Trainierte umsetzen und noch den dritten Platz erreichen.

Mit der Medaillenverleihung und den anschließenden Tanzdarbietungen einer 28-köpfigen Tanzshow-Gruppe aus „Klein“ und „Groß“ endete der sportliche Teil. Nach einer feierlich durch Janet Parker gesprochenen Schlussformel folgte die Übergabe der UNJJ-Fahne an Martin Dixon aus England. Damit endeten offiziell die 17. Meisterschaften der UNJJ.
Die 18. Meisterschaften der UNJJ werden am 9. und 10. Oktober 2009 in Blackpool/England stattfinden. Hier in der malerischen Umgebung des Traditions-Badeortes werden vorhandene Freundschaften gemäß der englischen Weisheit „Der ist ein guter Freund, der hinter unserem Rücken gut von uns spricht“ ausgebaut und neue geschlossen werden – auch dies ganz im Sinne der Zielsetzungen der UNJJ.

Jürgen Rautert