30 Muskeln brauchst du, um die Stirn zu runzeln. 13 Muskeln genügen, um
zu lächeln. – Dieses Motto eines unbekannten Verfassers hatten sich die
drei Prüflinge wohl auf ihre Fahnen geschrieben, als sie am Sonntag, den 7.
Dezember 2008 zur zweiten diesjährigen Dan-Prüfung antraten, um vor dem
Prüfungskomitee von KID/DJJB ihr Können unter Beweis zu stellen und darüber
hinaus sowohl sich als auch den Anwesenden mit einem überzeugenden Ausdruck zu
zeigen, dass sie ihr Prüfungsprogramm auch unter diesen besonderen Bedingungen
beherrschen und das „Lachen in den Augen“ dabei nicht verlieren würden.
Tags zuvor konnten sich die Dan-Anwärter noch einmal auf einem Lehrgang unter
der Leitung von Harald Westrich (5. Dan Jiu Jitsu) den einen oder anderen Tipp
holen, denn Harald Westrich hatte spezielle Themen aus den Prüfungsprogrammen
für Dan-Träger in den Mittelpunkt seines Dan-Lehrgangs gestellt. Der Sonntag
sollte den Prüflingen schließlich noch viel abverlangen.
Am Prüfertisch saßen bekannte Prüfer: Dieter Lösgen (10. Dan
Jiu Jitsu, Bundestrainer), Josef Djakovic (7. Dan Jiu Jitsu,
Erster Vorsitzender DJJB/KID), Dieter Mäß (7. Dan Jiu Jitsu)
und Harald Westrich (5. Dan Jiu Jitsu). In einer entspannten,
konzentrierten Atmosphäre zeigten die Prüflinge überzeugende Ausschnitte aus
ihrem Repertoire – denn das gesamte Können und Wissen kann man auch auf einer
Dan-Prüfung, die dem Geprüften subjektiv so unendlich lang vorkommt, nicht
zeigen.
Die unzähligen Techniken, Bewegungen und ergreifenden Momente des Tages allein
im Wort einzufangen, ist weder vor Ort noch an dieser Stelle möglich; den
geduldigen und geschulten Augen der Prüfer entging aber nichts, hier zeigte sich
die Wichtigkeit von Trennschärfe und Genauigkeit. Bei den Prüfern galt dies für
die Bewertung des Gezeigten und Geleisteten, auf der Matte für die Qualität und
Quantität der Prüfungsleistung. Beides gehört wiederum untrennbar zusammen.
Was heißt das? – Es heißt, dass sich alle Prüflinge inhaltlich mit einem
vorgeschriebenen Prüfungsprogramm auseinander setzen mussten, wobei sie ihre
Prüfungsleistungen mit sichtbarem Erfolg erbrachten, ihre individuellen „Noten“
mit einbrachten, und das Programm somit auf ihre eigene Art und Weise
unterschiedlich „interpretierten“. In der inhaltlichen Homogenität und der
unterschiedlichen „Interpretation“ (gleicher Angriff: unterschiedliche
Abwehrtechnik) liegt die Stärke des dem DJJB eigenen Prüfungssystems, das
einerseits auf die unterschiedlichen Voraussetzungen der Prüflinge eingeht,
Spielräume lässt, aber andererseits auch die stetige Verbesserung der Qualität
des Jiu Jitsu und die Einhaltung von sehr hohen Qualitätsstandards auf allen
Ebenen garantiert. Alle Prüflinge hatten zunächst als gemeinsame Aufgabe Kata.
Nach der Demonstration von Kata fängt das Programm des einzelnen Prüflings erst
an, denn es wird ein für den Gürtelgrad gültiger Querschnitt aus dem
Technikkanon des DJJB verlangt, der an diesem Tag pro Prüfung durchweg eine
Vielzahl von unterschiedlichsten Einzeltechniken vorsah. Nach der
Technikdemonstration folgt in der Regel eine kurze Pause. Danach geht es für
jeden Prüfling in den „Kreis“, und es zeigte sich auch diesmal wieder, dass die
anwesenden Jiu-Jitsuka nicht nur für diesen einen Prüfungstag gelernt hatten,
sondern dass sie auch in der Lage waren, schnell und gekonnt zu improvisieren.
Schnelle Techniken folgten „wie aus der Pistole geschossen“ – Waffentechniken
mit Pistole, Messer, Kurz- und Langstock kamen übrigens auch nicht zu kurz.
Besonderes Augenmerk wurde in allen Teilbereichen der Prüfungen wie immer auf
die Waffentechniken gelegt, schließlich geht insbesondere von Messern und
Schusswaffen auch in der Abwehr derselben die größte Gefahr für einen selbst und
für Unbeteiligte aus. Die Prüfungsleistung eines jeden Prüflings wurde in einem
abschließenden Gespräch durch das Prüfungskomitee bewertet und benotet. – Es war
ein erfreulicher Tag, und zwar für die Prüflinge, die Prüfer und die Zuschauer!
Somit waren es am Ende doch „nur“ die eingangs erwähnten 13 Muskeln des Körpers,
die nach erbrachter Leistung ein Lächeln auf die Gesichter der Anwesenden
zauberten, was zeigt, dass die „13“ mitunter auch für Glück stehen kann... Die
Nationalhymnen Japans und Deutschlands rundeten die Zeremonie ab, gefolgt von
dem Beifall der anwesenden Freunde, Eltern und Zuschauer, die nun endlich auf
ihre Weise ihrer Begeisterung freien Lauf lassen konnten.
Die Prüfung im Jiu Jitsu haben bestanden:

Der DJJB gratuliert allen Prüflingen zur erbrachten Leistung und wünscht für den weiteren Weg alles Gute.
Text: Volker Schwarz; Bild: Carina Eberhard