In Salzwedel ([früher auch Soltwidele]; „Salz“ + „Furt“ = hier sehr frei
übersetzt: „Stadt an der Salzstraße mit einer Furt über das Flüsschen
Jeetze“), der alten Hansestadt mit etwa 21.000 Einwohnern im
nordwestlichen Teil der Altmark, fand am Wochenende vom 24. bis 25. Mai 2008
bei strahlendem Sonnenschein der Jubiläumslehrgang anlässlich des
15-jährigen Bestehens der
Jiu-Jitsu-Schule Lotos
Salzwedel statt.
Die Hanse (althochdeutsch: Gruppe, Schar) war eine Organisation von
niederdeutschen Fernkaufleuten, der etwa 70 große und 100 bis 130 kleinere
Städte angehörten. Diese Städte lagen in einem Gebiet, das heute sieben
europäische Staaten einschließt, die Bundesrepublik inbegriffen. Ehemalige
(historische) Hansestädte im heutigen Nordrhein-Westfalen wie Dortmund,
Solingen, Lippstadt, Brilon, Wesel, Dorsten und Haltern am See sind Zeugen
einer fernen und zugleich nahen Geschichte der Hanse, die sich heute
anschickt, als moderner Städtebund seit 1980 auf der Grundlage alter
Traditionen den Geist der Hanse wieder zu beleben. Das Wochenende bescherte
den Teilnehmern Gelegenheit, um wieder einmal Neues entdecken und den
eigenen Wissenshorizont erweitern zu können.
Die meisten Lehrgangsteilnehmer hatten einen weiten Anreiseweg angetreten,
um hier in Salzwedel am Jubiläumslehrgang teilzunehmen.
Als Referenten standen Dieter Lösgen (10. Dan Jiu Jitsu, Präsident
DJJB/KID), Josef Djakovic (7. Dan Jiu Jitsu, 1. Vorsitzender DJJB/KID),
Rainer Grytt (7. Dan Ju-Jitsu, Präsident der DJJU), Bernd Kampmann (6. Dan
Jiu Jitsu), Frank Schulte (4. Dan Hap-Ki-Do) und Andreas Eggert (4. Dan Jiu
Jitsu) auf der Matte, um den motivierten Budoka aus weiten Teilen
Deutschlands Einblicke in ihre Kampfkunst zu geben.
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Nach
einer kleinen Feierlichkeit, bei dem der „Jubilar“ Lotos Salzwedel – und mit ihm
die hier übenden Jiu-Jitsuka unter der Leitung von Andreas Eggert – geehrt und
mit einem Rückblick über die vergangenen Jahre bedacht werden konnte(n), wurden
die angereisten Budoka in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe blieb im
liebvoll eingerichteten Dojo des Lotos Salzwedel, die zweite ging in die eigens
zu diesem Zweck bereitgestellte große Sporthalle nebenan.
In den folgenden Stunden konnten die Jiu-Jitsuka (Budoka) – ob Jung oder Alt –
ihr Repertoire weiter ausbauen oder Neues hinzu gewinnen. Im Budo lernt man über
einen langen Zeitraum an sich und der Ausbildung des eigenen Charakters (zum
Guten hin) zu arbeiten. Im Dojo lernt der Budoka, regelgerecht anzugreifen und
abzuwehren. Je höher der Gürtelgrad, desto weiter entwickelt sind die
Fähigkeiten, auch nicht-konforme Angriffe abzuwehren und zu improvisieren. – Was
aber, wenn jemand äußerst brutal, kaum berechenbar und „wie von Sinnen“
angreift? Der Meister wird hier handeln, ohne zu denken, denn zu denken
bedeutet, dass wertvolle Zeit verloren geht.
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Die Referenten des Lehrgangs hatten sich dieses Gedankens angenommen und den Lehrgang durch einen gelungenen Mix aus Grundschule, „standardisierter“ Technik und „nicht-standardisierter“ Technik so bereichert, dass das Angebot sehr weit gestreut war und jeder etwas für alle Bereiche seiner Kampfkunst lernen konnte. Am Abend sollte eine technische Demonstration der geladenen Referenten die Stunden des intensiven Übens abrunden. Die Referenten des DJJB LV NW e.V. – Dieter Lösgen, Josef Djakovic und Bernd Kampmann – konnten durch ihre beeindruckenden Demonstrationen die Anwesenden (ob im Gi oder in „zivil“) im Dojo des Lotos Salzwedel begeistern und so manchen Zuschauer bewegen, sich vielleicht auch einmal auf die Matte zu begeben.
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Eine
Darbietung der Kampfkunst Arnis von Hartmut Hotz und Lothar Boos rundete das
Programm ab. Vor etwa vier Jahren waren hier in Salzwedel mit großem Erfolg die
vierten Deutschen Meisterschaften des DJJB ausgetragen worden. In der
Zwischenzeit sind wieder Jahre vergangen, aber die Freundschaft zwischen
„Sachsen-Anhalt“ und den anderen Landesverbänden des DJJB – und darin vor allem
auch der Landesverband Nordrhein-Westfalen – entwickelte sich immer besser, was
sich in der gemeinsamen Jubiläumsparty am Samstagabend deutlich zeigen sollte,
denn hier sah man lachende Jiu-Jitsuka mit guter Laune in angeregter
Unterhaltung, bei Musik, gutem Essen und Tanz.
Dies ist eine Seite, die ebenfalls zum Budo (abseits der Matte) gehört und das
disziplinierte Üben und Arbeiten auf der Matte unter Einhaltung der
Dojo-Etikette ergänzt. Die Lehrgangsstunden am Sonntagmorgen vergingen ebenfalls
wie im Flug… dank der freundlichen Sonne, die immer noch über dem Dojo stand,
und dank der hervorragenden Planung und Durchführung des Lehrgangs. Die Fahrt
nach Salzwedel, der Stadt an der Schnittstelle zwischen Vergangenheit, Gegenwart
und Zukunft – seit 1990 die Partnerstadt der nordrhein-westfälischen Stadt Wesel
– war auch ansonsten eine Reise wert, denn die alte Hansestadt mit ihrem Umland
und der schönen Natur hat viel zu bieten und zu entdecken; so trug der 28.
Internationale Hansetag in Salzwedel (5. bis 8. Juni 2008) das Motto „future
meets past“ (Zukunft trifft Vergangenheit) – eine sehr interessante Parallele
zum Gedanken des Jubiläumslehrgangs, denn auch uns Jiu-Jitsuka (Budoka) ist es
über regionale und nationale Grenzen hinaus eine Pflicht, stets auf das Neue (im
Alten) zu treffen und die lange Tradition der Kampfkunst Jiu Jitsu für
zukünftige Generationen zu sichern und weiterzuentwickeln.
Volker Schwarz