„Stopp!“ – Du darfst mich nicht angreifen!

...um diesen Appell drehten sich die Aktionen des diesjährigen Kinderlehrganges des DJJB-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen. „Gewaltprävention und Selbstbehauptung im Alltag“ waren die Zielgedanken, die zahlreiche Kinder aus dem Ruhrgebiet und darüber hinaus am ersten Sonntag im September durch Spiel und Spaß kennen lernten. André Rasche (Jugendwart DJJB-LV NW, 3. Dan Jiu Jitsu, 2. Dan Jiudo) und sein Team Carina Eberhard (1. Dan Jiu Jitsu, 1. Dan Jiudo), Oleg Tartakowski (1. Dan Jiu Jitsu, 1. Dan Jiudo) und Christian Weber (1. Dan Jiu Jitsu, 1. Dan Jiudo) kamen zu dem besonderen Anlass ins Zanshin-Dojo des VFB Erftstadt. Aber nicht nur Kinder und Lehrer sind früh aufgestanden, sondern auch viele Eltern versammelten sich am Mattenrand, um ihren Kleinen von dort aus „moralischen Beistand“ zu leisten.

Nach ein paar einleitenden Worten und der Verbeugung ging der Lehrgang mit dem Aufwärmtraining los, das von Oleg Tartakowski mit Kennenlern- und Rangelspielen sowie lustigen Übungen aufgelockert wurde. Zwischen Hüpfen und Dehnen, Rennen und dem Kräftigen der Muskeln übten die jungen Jiu-Jitsuka die Grundhaltung und ließen das Dojo durch ihren „Stopp“-Schrei erbeben. Im Verlauf des Kinderlehrgangs wurde der Einsatz der eigenen lauten Stimme über den ganzen Lehrgang hinweg immer wieder geübt. Was zählt, ist der Mut zum Agieren, dabei ist das Schreien ein wichtiger Bestandteil, der Kraft und Selbstbewusstsein gibt.

Nachdem die Teilnehmer miteinander vertraut und aufgewärmt waren, folgten die Fallübungen. Carina Eberhard schilderte verschiedene Situationen, in welche Kinder im Alltag geraten könnten: Beispielsweise können sie geschubst werden oder das Überwinden von Hindernissen steht an. Die angereisten sehr motivierten Kinder nahmen diese Herausforderungen auf der Matte an, um zu lernen, wie sie mögliche schwierige Situationen auf der Straße oder dem Schulhof ohne Verletzung bewältigen können. Nach eifrigem Üben tobten sich die Nachwuchs-Jiu-Jitsuka in einigen Wettkampfspielen aus, und nicht nur die aktive Gruppe, sondern auch die Zuschauer hatten sichtlich Spaß am Geschehen.

Für diesen Kinderlehrgang haben der Jugendwart und sein Team das Erlernen der Abwehrtechniken in drei Stufen aufgeteilt.
- Die erste Stufe „FRÜH!“ bestand aus dem frühen Erkennen eines Angriffs. Die Kinder sollten hierfür aktiv und aufmerksam sein und können dadurch, dass sie alle Sinne bewusst einsetzen, agieren, noch bevor der Angriff erfolgt. So konnten sie durch lautes „Stopp“-Rufen und selbstbewusstes Auftreten den Gegner einschüchtern und den Angriff abwenden.
- Die zweite Stufe „KNAPP!“ behandelte einen Angriff aus mittlerer Entfernung, auf den es zu reagieren galt. Der eigentlich geplante Angriff des Gegners konnte durch das schnelle Reagieren nicht plangemäß durchgeführt werden. Im Anschluss an die Abwehrtechnik kamen wieder Stimme und Körpersprache als Einschüchterung des Gegners („Ich bin stark!“) zur Anwendung.
- Die dritte und letzte Stufe „SPÄT!“ war die nötige Abwehrtechnik, denn der Angreifer konnte seinen angedachten Angriff durch eine Unaufmerksamkeit des Verteidigers nun durchführen.
 

Christian Weber und Oleg Tartakowski erläuterten in diesem System zum einen Verteidigungs-techniken gegen „einhändiges Würgen“ und zum anderen gegen eine „Ohrfeige“. Die Kinder waren aufmerksam und konnten die „Drei-Stufen-Theorie“ sehr gut und kindgerecht in die Praxis umsetzen. Zwischen den Techniken konnten sie sich immer wieder bei kleinen Spielen „auspowern“ und die „Grundhaltung“ sowie den „Stopp“-Schrei üben.

Zuletzt wurden die gelernten Techniken in „Drei-Mann-Aktionen“ wiederholt und gefestigt, indem die Kinder auch mit anderen als den gewohnten Partnern üben konnten. Auf diese Weise lernten die jungen Jiu-Jitsuka die Unterschiede in Bezug auf Körpergröße, Gewicht und Kraft kennen und übten, diese bei ihren Abwehrtechniken zu berücksichtigen.

– Aber was wäre ein Kinderlehrgang ohne Abschlussspiel?
Dieses Jahr durften sich die Kinder gegenseitig am Keiko-Gi (Trainingsanzug) befestigte Wäscheklammern „mopsen“ und diese am eigenen Gi sammeln. Aber Vorsicht! Sicher waren sie dort vor den anderen Fängern nie! Zuletzt wurde die „Klammerkönigin“ gekürt und schon war auch ein spannender, lehrreicher Sonntags-Lehrgang im Nu vorbei. Als kleine Belohnung gab es nach dem Lehrgang für jeden kleinen Budoka einen Lolli, zu dem kein einziger „Stopp!“ sagte. Ein herzliches Dankeschön gilt den Eltern und dem Zanshin-Dojo des VFB Erftstadt für die Unterstützung an diesem Wochenende. Der Landesverband NRW und der Jugendwart André Rasche sowie sein Team bauen auf eine ähnlich rege Teilnahme im nächsten Jahr.
 

Text: Oleg Tartakowski, Christian Weber, Carina Eberhard
Fotos: André Rasche