Lehrer aus NRW begeisterten auf dem 19. Internationalen Lehrgang in Otterbach

Dreihundert Kilometer im Winter können lang werden…, doch allen Warnungen vor einem bevorstehenden „Wochendstau“ zum Trotz machten sich viele Jiu-Jitsuka aus zahlreichen Vereinen des DJJB im LV NW e.V. auch in diesem Jahr wieder auf den Weg nach Otterbach, um dort an dem traditionellen Internationalen Lehrgang in der ersten Märzwoche, kurz: „Otterbach“ teilnehmen zu können.
Sie hatten vorgesorgt, sind ein paar Stunden früher aufgestanden und losgefahren, sodass man am Samstag, den 7. März 2009 pünktlich zu Begin des Lehrgangs im Gi auf der Matte stand. Insgesamt hatten sich rund 270 Teilnehmer aus ganz Deutschland auf nach Otterbach gemacht.
Der Zen Bogyo Do e.V. richtete die Veranstaltung dieses Jahr zum 19. Mal aus und konnte u.a. mit Lehrern aus Irland und Dänemark aufwarten. Das Lehrerteam beim Otterbacher Lehrgang ist stets hochrangig besetzt. So haben die Teilnehmer in jedem Jahr die Möglichkeit, beim Bundestrainer Dieter Lösgen, 10. Dan Jiu Jitsu zu trainieren. Er ist der Präsident des Deutschen Jiu Jitsu Bundes und besitzt mit dem 10. Dan die höchste Graduierung, die im Jiu Jitsu erreicht werden kann. Außerdem war Josef Djakovic, 7. Dan Jiu Jitsu und Erster Vorsitzender des DJJB mit dabei. Weiterhin reiste Andreas Güttner, 5. Dan Ju Jutsu Do, an und unterrichtete die Jiu Jitsuka. Aus Irland konnte Josie Murray, 6. Dan Jiu Jitsu, begrüßt werden. Bei ihm handelt es sich um den amtierenden Weltmeister im Bodenkampf. Zum ersten Mal dabei war Christian Hvidberg, 5. Dan Mizunokokoro Jujitsu, aus Dänemark.

      

Die Lehrgangsteilnehmer waren von den Techniken der Lehrer begeistert. Der Lehrgang wurde am Samstagmittag vom ersten Vorsitzenden des Zen Bogyo Do, Harald Westrich, eröffnet. Nach einem dynamischen Aufwärmtraining, welches die Budoka im Dojo auf „Temperatur“ bringen konnte, ging es an die Techniken der in diesem Jahr geladenen Lehrer. In vielen Übungseinheiten konnten die Teilnehmer dann in verschiedenen Gruppen, ihren Gürtelgraden entsprechend trainieren. Die Trainer passten dabei den Schwierigkeitsgrad gezielt der Technik auf die Bedürfnisse der jeweiligen Graduierung an, damit niemand unter den Teilnehmern über- oder unterfordert wurde.
In diesem Jahr konnten die Lehrer unter anderem mit Schwerpunkten wie Messerabwehren, Bodenkampf oder Schlag- und Trittabwehren begeistern. Durch die unterschiedlichen Stile der Lehrer konnten die Teilnehmer während des Lehrgangs einen Einblick in deren Art der Kampfkunst und Selbstverteidigung erhalten und somit viele neue wertvolle Erfahrungen sammeln. Von den Teilnehmern wird der Otterbacher Lehrgang aber nicht nur genutzt, um neue Techniken zu erlernen, sondern auch um neue Kontakte zu knüpfen oder alte zu pflegen. „Otterbach“ hat Tradition.

      

Durch die Lehrgänge der letzten Jahre haben sich zwischen vielen Teilnehmern Freundschaften quer durch Deutschland entwickelt, und auch international ist „Otterbach“ mittlerweile ein bekannter Begriff. Die freundschaftlichen Kontakte reichen unter anderem nach Griechenland zum hiesigen Jiu Jitsu Verband, der unter der Leitung von Christos Barberis (4. Dan Jiu Jitsu) wächst und gedeiht. Durch die regelmäßigen Besuche von hochrangigen Lehrern aus NRW ist eine besondere Freundschaft entstanden, die auch Christos Barberis ermunterte mit seinem Sohn Thomas nach Deutschland zu fahren und hierbei das Training in den Dojos näher kennen zu lernen. So war er auch in der Woche vor „Otterbach“ im Dojo von Dieter Lösgen, dem TBF Bushido Frintrop, in Essen und im Bujindo Mülheim bei Josef Djakovic zu Besuch, um sein Programm unter den Augen beider Sensei zur Prüfungsvorbereitung auszufeilen und darüber hinaus die über Jahre gewachsene Freundschaft zu pflegen.
Und wie es der Zufall so wollte – oder man könnte sagen: Stau sei Dank! – wurde eine Gruppe aus Mülheim und anderen Ruhrgebietsstädten mit Christos Barberis und seinem Sohn Thomas an „Bord“ per Navi um einen Stau gefahren. Beide Griechen hatten den Wunsch, unbedingt einmal an einem großen internationalen Lehrgang teilnehmen. Ganz zufällig fuhr man durch Köln-Troisdorf, wo Christos Barberis einmal gelebt hat. Dort ist er aufgewachsen, hat seine Lehre gemacht und ist dann später mit den Eltern wieder zurück nach Kavalla gezogen, wo er heute in Griechenland das Jiu Jitsu lehrt. Dies sind wunderbare Fügungen, die das Leben manchmal parat hält. Aber wieder zurück nach Otterbach…
Am Sonntagmorgen, den 8. März hatten die Teilnehmer nach einer kurzen Nacht nochmals die Gelegenheit, für einige Stunden bei den jeweiligen Trainern zu lernen. Am Ende wurde den Trainern als Dankeschön ein kleines Geschenk überreicht, das sie an den Lehrgang in Otterbach erinnern soll. Der Lehrgang in Otterbach, der in diesem Jahr zum 19. Mal stattgefunden hat, endete am Sonntag mit der Verabschiedung der Budoka und einer abschließenden Verbeugung.
In der Erinnerung bleiben nicht nur die vielen geübten und erlernten Techniken, sondern auch eine Menge Freude, die der Lehrgang den Teilnehmern bereitete. Und je weiter man von Otterbach wieder gen Heimat NRW fuhr, desto klarer wurde man sich in einem Rückblick (nicht nur in dem immer kleiner werdenden Otterbach im Rückspiegel) darüber, was man an diesem Wochenende alles gelernt hatte. Das haben jedenfalls die bemerkt, die auf der Rückfahrt nicht schon nach wenigen Minuten gemütlich eingeschlafen sind, denn so manchen (jugendlichen) Jiu-Jitsuka, der noch vor einer halben Stunde topfit auf der Matte stand, überkam im Auto plötzlich eine unbezwingbare Müdigkeit. Gut, dass die meist etwas älteren „Chauffeure“ ein bisschen früher schlafen gegangen sind...
Vielen Dank für den gelungenen Lehrgang an Dieter Lösgen, Josef Djakovic, Josie Murray, Andreas Güttner, Christian Hvidberg und ganz besonders an die Ausrichter: Silke und Harald Westrich sowie das Team vom Zen-Bogyo-Do e. V. Otterbach.
Ein Ausblick sei an dieser Stelle gewährt, denn nächstes Jahr wird der Otterbacher Lehrgang zum 20. Male stattfinden – hier in der Stadt der flinken Otter, wo Tradition gepflegt wird und durch die Pflege derselben neue entsteht.

Text: Volker Schwarz, basierend auf dem Bericht des Zen Bogyo Do e.V.
Bilder: Zen Bogyo Do e.V.