Mit den so genannten „Sommerlöchern“ ist es manchmal nicht
einfach: Der Bujindo Mülheim
hatte in diesen – wie auch in den Jahren zuvor – wieder einmal das richtige
„Rezept“, um Spaß und Spannung nicht abfallen zu lassen und auch vor und in den
Sommerferien für „volle Action“ rund um Jiudo und Jiu Jitsu zu sorgen. Der
Auftakt erfolgte durch das Sommerfest, gefolgt von der Kleingruppenfahrt und den
mitreißenden Aktionen in den Sommerferien.
Bei „Bombenwetter“ hatten sich am Samstag, den 13. Juni 2009 viele Jiudoka und
Jiu-Jitsuka des Bujindo am Dojo an der Hölterstraße getroffen, um hier das
alljährliche Sommerfest zu feiern. Auf dem Schulhof der Hölterschule gab es das
Grillen und ein gemütliches Zusammensein der Lehrer, Schüler und Eltern.
Aber es war auch ein Programm für die Gäste vorgesehen, welches einige Fragen
(wie: „Was machen wir eigentlich im Verein?“) auf anschauliche Art und Weise
beantworten sollte: „Wir machen Jiudo & Jiu Jitsu“, lautete die Antwort, die
diesmal nicht wie in der Schule mit Worten formuliert wurde, sondern es folgten
Vorführungen im Jiudo und Jiu Jitsu, und zwar quer durch die einzelnen
Schülergruppen, die mehr als tausend Worte ausdrücken konnten. Da zeigten
Jiudoka und Jiu-Jitsuka von „Klein“ bis „Groß“, was man alles beim Training
macht.



Cheflehrer Josef Djakovic begleitete die Vorführungen der
Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen. Weiterhin kommentierte und erklärte er
parallel zu den Darbietungen zum Beispiel die Bedeutung der Verbeugung.
Somit wurde etwa die Frage: „Warum verbeugt sich mein Kind, wenn es die
Turnhalle (Dojo) betritt.“, damit beantwortet, dass es sich bei der
Verbeugung um eine sowohl praktische als auch innere Vorbereitung auf das
Training (das Üben) handelt. Zudem zeugt jede Verbeugung auch von Respekt
und Achtung, aber das verinnerlicht man beim Training mit den vielen
Verbeugungen...
Nach den Vorführungen folgte ein Elterntraining – ein gemeinsames Training
von Lehrern und Schülern mit den Eltern als Teilnehmern auf der Matte. In
der Zwischenzeit hatten es sich draußen auf dem Schulhof der Hölterschule
schon zahlreiche „Bujindoka“ mit ihren Eltern und Freunden bei Kaffee und
Kuchen oder einem Würstchen mit Salat gemütlicht gemacht und man hatte genug
Zeit um das eine oder andere Gespräch zu führen oder – wie die Kinder es
vorzogen – das Spieleangebot wahrzunehmen.
Am Freitag darauf ging es schon weiter, denn die
Vereinsfahrt der
Kleingruppen von Sabine Kloß stand vom 19. Juni bis 21.
Juni 2009 auf dem Programm. Ziel war die
Jugendherberge Lindlar im
Bergischen Land, etwas mehr als eine Autostunde von Mülheim an der Ruhr
entfernt.
Der Freitag wurde nach der Ankunft genutzt, um die Gegend einmal
genau „unter die Lupe zu nehmen“ und die Zimmer zu beziehen. Natürlich
wurden auch die Betten bezogen, was beim einen oder anderen Schüler
naturgemäß etwas länger dauerte, aber schließlich waren alle fertig und es
ging nach dem Abendessen noch zur Nachtwanderung mit Taschenlampen durch
Wald und Flur. Hierbei wurde auch noch ein Spielplatz entdeckt, der zum
nächtlichen Schaukeln einlud.
Am Samstagmorgen wurde erst einmal gut
gefrühstückt – das Essen war übrigens echt klasse! Nach dem Frühstück
schloss sich eine Einführung in die Erste Hilfe an: In spielerischer Form
demonstrierte Nathalie Reiser, die eigens hierfür angereist war, was man zum
Beispiel mit der Ersten Hilfe bei kleineren und größeren Verletzungen machen
kann. Es galt das Motto: „Wer Kampfkunst betreibt, muss sich auch in der
Ersten Hilfe auskennen.“ – Yin und Yang einmal ganz anders...


Nach einem
kurzen theoretischen Teil folgte der ausgiebige praktische Teil, der den
Teilnehmern sehr viel Spaß machte. Hierbei wurde auch die räumliche Lage der
Jugendherberge noch einmal sehr zum Vorteil, denn man konnte sich um die
Jugendherberge herum auf dem weitläufigen Wald- und Wiesengelände frei
bewegen, ohne auf Autos oder andere Gefahren aufpassen zu müssen, was
insbesondere den jüngeren Teilnehmern (den betreuenden Lehrern des Bujindo
aber auch!) entgegen kam.
Am späten Nachmittag zog es uns zum Eisessen in
die Altstadt von Lindlar. Wir wurden von einem kurzen Wolkenbruch „begrüßt“,
doch glücklicherweise konnten wir unter den Sonnenschirmen im Eiscafe
Zuflucht finden. Das „englische Wetter“ hatte uns voll gepackt. Der
Nachmittag wurde durch das spannende Bobbycar-Rennen (mit „Regenreifen“) auf
dem Sportplatz fortgeführt, es folgte ein Lagerfeuer. Das Rennen lief
übrigens völlig ohne Zwischenfälle ab, sodass wir keinen „lebenden Bobby“
(auch Bezeichnung für die typische Kopfbedeckung der englischen Polizei =
Polizist) zur Aufsicht benötigten.
Nach dem Rennen sollte beim Lagerfeuer
Ruhe einkehren. Doch zuerst hieß es: Holz suchen, Holz aufschichten und dann
das Holz unter Aufsicht kontrolliert anzünden. Später gab es noch Pizza von
der Jugendherberge. Alles in allem war es ein gelungener Tag, der abends mit
gemütlichem Beisammensein ausklang.

Auf dem Tagesplan des Sonntags stand noch Suchtprävention: Mit so genannten „Suchtbrillen“ gingen wir auf einem großen Parkplatz hin und her und sahen (durch die „Brille“), wie man bei 0,8 und 1,3 Promille „aussieht“ bzw. „durchsieht“. Die Teilnehmer – insbesondere die älteren – waren verwundert, wie wenig Kontrolle über den eigenen Körper man bei 1,3 Promille im Blut (die Brillen simulieren diesen Zustand) noch hat. Jiudo und Jiu Jitsu haben als Kampfkünste als wesentliche Aufgabe (auch) die Förderung und Erhaltung von Gesundheit (Körper und Seele) und zielen darüber hinaus auf die Stärkung des Charakters ab. Sucht in jeder Form nimmt dem Menschen Freiheit, macht krank und letztendlich hilflos. Dem ist mit aller Kraft entgegen zu treten. Jiudo und Jiu Jitsu leisten auch hier einen sehr wertvollen Beitrag und machen vor allem Kinder und Jugendliche fit, damit sie diesen so schädlichen Einflüssen der Sucht aus eigenen Kräften widerstehen können.

Nachdem wir nach dem Wolkenbruch bereits
einen ersten Eindruck vom „englischen Wetter“ bekommen hatten, gingen wir
bei wechselhaften Wetterverhältnissen ins Freilichtmuseum, um dort mit der
Abenteuerwerkstatt das Bogenschließen zu entdecken. Die Ausbilderinnen der
Abenteuerwerkstatt warteten schon, als wir voller Neugier auf einer großen
Wiese (kurz vor dem Lindlarer „Sherwood Forest“, wie wir uns es in unserer
Phantasie ausmalten) ankamen, um hier von fachkundiger Hand die Kunst des
Bogenschießens zu erlernen.
Nach ein paar grundsätzlichen Anweisungen und
Tipps (vor allem die Sicherheitsregeln) ging es auch schon an die Bögen und
Pfeile. Was zunächst sehr schwer fiel, wurde zunehmend besser und der eine
oder andere „kleine Bogenschütze“ stieg aus unseren Reihen empor… Nachdem
wir im Vorjahr „Robinson auf der Sieg“ kennen gelernt hatten, gab es nun
eine Begegnung mit „Robin Hood“. In jedem von uns steckt ein mutiger „Robin
Hood“ – das stand für uns gegen Nachmittag fest.

Jedes Wochenende muss aber einmal mit der Heimreise enden…, am Montagmorgen ging es schließlich wieder in den schulischen Endspurt, die Sommerferien standen schon fast vor der Tür und die Sommeraktionen des Bujindo 2009 – „zwischen Höhen- und Geschwindigkeitsrausch“ – sollten wieder als Highlight die Sommerferien „versüßen“.
Nach dem großen Zuspruch im letzten Jahr stand in diesem Jahr recht schnell fest: Wir bieten wieder Ausflüge in den Sommerferien an. Los ging es am 25. Juli 2009 mit dem Geschwindigkeitsrausch. Diesen holten sich die Kids und Eltern beim Wasserski fahren in Duisburg Wedau. Für alle, die zum ersten Mal auf den Brettern standen, gab es einen kurzen Film zur Einführung und danach hieß es „Learning by Doing“. Den Start von der Rampe meisterten die meisten auch recht schnell. Die erste große Herausforderung stellte die erste Kurve dar, an der Viele zum ersten Mal an diesem Tag die Wassertemperatur testeten. Aber auch diese Hürde wurde recht schnell genommen und die Teilnehmer drehten eine nach der anderen Runde. Einige versuchten sich daraufhin im Wakeboard fahren, welches dem Snowboarden sehr nahe kommt oder tauschten zwei gegen ein Brett ein und fuhren Monoski. Zur Stärkung des Gruppengefühls trugen die Fahrten auf dem Kneeboard bei, auf dem auch zwei Personen kniend fahren können.


Am 8. August 2009 folgte auf den Geschwindigkeitsrausch dann der Höhenrausch. Wie auch im letzten Jahr konnte man sich diesen in der Kletterhalle Malakoff in Bottrop holen. Der ehemalige Schachtturm der Zeche Prosper bietet eine Reihe von Kletterwänden mit unterschied¬lichsten Schwierigkeitsgraden. Von der Einsteigerwand über den Boulderparcours (Klettern ohne Kletterseil in Absprunghöhe) bis hin zum Überhang ist alles geboten, um sich auszutoben. Doch vor der Praxis steht auch hier, wie so oft, die Theorie. Thomas Tückmantel, einer unserer Lehrer, der eine Kletterausbildung vorweisen kann, erläuterte also zunächst die wichtigsten Sicherheitsregeln. Daraufhin wurden die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade ausgetestet. Wer dann immer noch nicht genug hatte, der konnte sich seinen Sommeraktions-Adrenalin-Rausch beim Abseilen aus ca. 25 Metern holen.


Abschließend lässt sich sagen, dass die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen durch die zwei Ausflüge nicht nur Spaß und Muskelkater gewonnen haben, sondern gerade beim Klettern gelernt haben, Verantwortung für den Partner zu übernehmen und sich gegenseitig zu vertrauen. Alles wichtige Dinge, die beim Training nach den Sommerferien vertieft wurden und für so machen „Englandfahrer“ bzw. „Blackpoolfahrer“, der demnächst zu den 18. Internationalen Meisterschaften der UNJJ nach Blackpool in England fahren wird, haben die Aktionen des „Bujindo-Sommers“ den einen oder anderen Zuwachs an Fitness gebracht…
Text: Christian Weber, Andreas Dolny, Volker Schwarz
Bilder Christian Weber, Volker Schwarz