Katalehrgänge 1 bis 4 und Danvorbereitungslehrgang im Februar

Nach den Lehrgängen zur ersten und zweiten Kata am 7./8.2.2009, die beim Bujindo Mülheim durchgeführt wurden, fanden nun im Anschluss daran am 14./15.2.2009 beim TBF-Essen die Lehrgänge zur dritten und vierten Kata nach der Prüfungsordnung des Deutschen Jiu Jitsu Bundes (DJJB) statt.
Durch die Lehrgänge führte wieder das bekannte Lehrerteam Dieter Lösgen (10. Dan Jiu Jitsu, Bundestrainer) und Josef Djakovic (7. Dan Jiu Jitsu, 1. Vorsitzender KID/DJJB). Kata bedeutet aus dem Japanischen ins Deutsche übersetzt soviel wie Form, Stil, Haltung, aber auch Vorschrift, Muster, Abdruck oder Schablone. Kata im Rahmen der Prüfungsordnung des DJJB bezeichnet die stilisierte Form eines Kampfes gegen einen einzelnen realen Gegner, bei dem Verteidigung, Angriff und Gegenangriff in festgelegter Abfolge und Ausführungsart geübt werden.

       

Wer Kata übt, trainiert zunächst die Einzeltechniken, verbindet diese zur vorgeschriebenen Form und schließlich, wenn der Ablauf der Form erlernt ist, beginnt der Feinschliff. Ein wesentliches Merkmal von Kata ist die Loslösung vom rein technischen Aspekt des Übens, und das schließt den Wechsel von Anspannung und Entspannung hin zu Harmonie mit ein. An allen vier Lehrgangstagen zeigte sich, dass Kata auf Technik, Geschmeidigkeit, dem Miteinander von Tori und Uke und auf sehr, sehr viel Feinarbeit und Konzentration beruht. Es zählen nicht nur die Kraft und der impulsive Einsatz sowie das Verinnerlichen von „Aktion“ und „Reaktion“, sondern ebenfalls das Verständnis für Spannung und Entspannung, von welchem Tori und Uke von Anfang der Technik bis zum Schluss durchdrungen sein müssen.
Aus dem Wesen der Kata ergibt sich eine klar festgelegte Ablaufform, die sich zum Beispiel vom Bodenkampf unterscheidet, denn hier entsteht aus dem unvorhersehbaren Verlauf des Kampfes eine schier unendliche Kette von möglichen Bewegungsabläufen, die tatsächlich erst dann ein Ende findet, wenn einer der beiden Kämpfer aufgibt bzw. der andere gewonnen hat.
Kata – das ist auch der Ablauf des Lehrganges selbst. Nach dem gemeinsamen Verbeugen werden die jeweiligen Techniken im Detail gezeigt und sorgfältig erklärt. Jede Kata aus der Prüfungsordnung des DJJB besteht aus fünf Techniken, die von Tori und Uke jeweils seitenverkehrt (rechts und links) erlernt und ausgeführt werden müssen. Nach den einzelnen Techniken folgt die Laufschule, bevor der Lehrgang mit der gemeinsamen Verbeugung endet.

Jeder Kata-Lehrgang des DJJB folgt diesem Muster. Im Detail ging das Lehrer-Duo auf die kleinen Feinheiten der Techniken ein, die gerade denjenigen unter den Lehrangsteilnehmern zunächst Probleme bereiten können, die Kata zum ersten Mal erlernen. Den Blick hierfür zu schulen, das war die zu leistende „Hausaufgabe“, welche die Teilnehmer mit in ihr Heimatdojo nahmen. Die möglichst getreue Wiedergabe des Erlernten ist wichtig für die Vermittlung von Kata an die Schüler im Dojo vor Ort.
Dieter Lösgen erklärte, dass die ersten drei Kataformen nach der Prüfungsordnung des DJJB eigentlich als eine Gesamt-Kata mit insgesamt 15 Techniken (30, wenn man rechts und links betrachtet) gedacht waren und sind. Hier ist anzumerken, dass die Kataformen Nr. 1 bis 3 die waffenlosen Angriffe (Körper- und Distanzangriffe) beinhalten, während die Kataformen Nr. 4 bis 6 Waffenangriffe (Stock, Messer und Pistole) zum Thema haben. Wie schon die Kataformen 1 bis 3 als eine Einheit zu betrachten sind, werden auch die Kataformen 4 bis 6 in formaler und inhaltlicher Hinsicht als zusammenhängende Einheit betrachtet. Dies, so Dieter Lösgen, ergebe sich aus dem traditionellen Bild der Kata, die 15 Techniken umfasst – als Beispiel sei hier die Naga No Kata zu nennen, die für jeden Jiudoka ein Begriff ist.
Zu den Prüfungsprogrammen des DJJB für die einzelnen Dangrade aus der Prüfungsordnung gehören neben Kata zahlreiche Technikgruppen, die von Dangrad zu Dangrad variieren, aber untrennbar miteinander verschränkt sind. Somit hängen Kata-Lehrgänge und Danvorbereitungs-Lehrgänge eng zusammen und bilden eine Einheit.

Ganz in diesem Sinne wurde auch der Danvorbereitungs-Lehrgang am 28.2. 2009 vom Lehrer-Duo Dieter Lösgen und Josef Djakovic geleitet. Nur noch wenige Monate trennen die Prüflinge von der Dan-Prüfung, daher herrschte im Dojo des Bujindo Mülheim eine konzentrierte Stimmung. Die Zusammenarbeit zwischen Lehrer und Prüfling auf dem Danvorbereitungs-Lehrgang ist an Vertrauen auf beiden Seiten geknüpft.

      

Der Prüfling legt offen, was er noch nicht beherrscht und bittet darum, einerseits noch einmal Korrekturvorschläge zu erhalten, andererseits erwartet er von den Lehrern, die aus der Sicht des Prüfungskomitees das Gezeigte beurteilen, auch ein ehrliches Feedback, ob der momentane Leistungsstand – also das, was auf dem Vorbereitungslehrgang gezeigt wird – voraussichtlich für das erfolgreiche Bestehen der nächsten Dan-Prüfung ausreichen wird. Es wurde viel konstruktive Kritik im ursprünglichen Sinne geübt, und zwar eine Kritik, die den Namen verdient: positive Kritik und „Beratungskritik“. Auf dieser Grundlage kann man sehr gut arbeiten, da man durch positive Kritik „Rückenstärkung“ bekommt, um die „Beratungskritik“ in einem offenen und ehrlichen Gespräch auf der Matte aushalten zu können. Offenheit auf beiden Seiten ist hier der Schlüssel zum Erfolg, der wie folgt aussieht: Intensives Arbeiten an den so genannten „Nicht-Stärken“ oder „Noch-nicht-Stärken“, denn es ist kein Geheimnis, dass man erst zu seinen inneren Stärken gelangen kann, wenn man sich über das eigene Können und die eigenen Fähigkeiten ehrlich und intensiv Gedanken gemacht hat und stetig an der Verbesserung seiner Leistungen arbeiten will.

Vielen Dank an Dieter Lösgen und Josef Djakovic für die insgesamt fünf lehrreichen Tage, an denen viel gelernt und korrigiert werden konnte... Das sind die Weisen, die durch Irrtum zur Wahrheit reisen. Die bei dem Irrtum verharren, das sind die Narren. (Friedrich Rückert)

Text: Andreas Dolny, Volker Schwarz
Bilder: Bernd Kampmann, Thomas Tückmantel, Volker Schwarz