Am 1. März 2009 fand in Hagen-Hohenlimburg im Dojo des
TV 1871 Hohenlimburg e. V.
für die Zielgruppe Gelb- bis Grüngurte ein Lehrgang zum Thema „Würgeabwehren“
statt. Die interessierten Jiu Jitsuka ließen es sich nicht nehmen, das
ausgedehnte Sonntagsfrühstück gegen die Beschäftigung mit dieser Thematik
einzutauschen. Lehrgangsleiter war an diesem Tag Frank Reichelt, 3. Dan
Jiu Jitsu, Cheftrainer der
Sportfreunde 06 Sterkrade aus Oberhausen.
Bevor es an die praktische Umsetzung ging, wurden zunächst im Dialog miteinander
einige wichtige Dinge erläutert. Allen Teilnehmern war klar, dass es sich bei
einem Würgeangriff aufgrund der möglichen Folgen – im schlimmsten Fall des
eigenen Todes durch Ersticken – um alles andere als eine „harmlose“ Attacke
handelt.

Oft wird eine solche von einem körperlich überlegenen Angreifer durchgeführt,
ein Umstand, der die Notwendigkeit eines entschlossenen, schnellen Handelns noch
einmal unterstreicht. Grundsätzlich muss ungeachtet der Angriffsrichtung in zwei
Variationen des Würgens unterschieden werden. Zum Einen in die Beeinträchtigung
der Blutversorgung des Kopfes durch „Abdrücken“ der Halsschlagadern, zum Anderen
in den direkten Angriff auf den Kehlkopf und damit auf die Luftröhre.
Der Fokus des Lehrgangs lag dabei auf der zweiten Variante, da im Rahmen der
Selbstverteidigung ein Angriff mit den Händen und damit ein versuchtes
Eindrücken des Kehlkopfes wahrscheinlich ist. Nachdem die Art der Angriffe
festgelegt war, wurde darauf hingewiesen, dass ein „richtiges“ Angreifen für das
Erlernen korrekter Abwehren unerlässlich ist. Dies bedeutet nicht, dass der
Kehlkopf ernsthaft angegangen werden soll, sondern dass die Positionen der Hände
und Finger des Angreifers real sein müssen. Besonders ein „Würgen von hinten“
mutiert schon mal gerne zur Nacken- und Schultermassage. Hier gilt es, mit der
gebotenen Vorsicht und Sorgfalt tatsächlich einen Angriff zum Hals
durchzuführen.
Nach einem kurzen Aufwärmen, das in der Aufgabe endete, mit zusammengelegtem Obi
unter dem Kinn kreuz und quer über die Matte zu laufen und sich dabei noch mit
„Abklatschen“ zu begrüßen, fand sich die Gruppe fließend in der eigentlichen
Problemstellung wieder. Es ist grundsätzlich wichtig, bei einem (kontaktierten)
Würgeangriff Kinn und Schultern fest anzuziehen, um den Hals etwas zu entlasten.
Der Angreifer wird dadurch zwar nicht gelöst, es verschafft dem Verteidiger aber
erst einmal im wahrsten Sinne des Wortes „etwas Luft“, um eine Verteidigung
durchführen zu können. Ebenso wichtig ist der Schutz des Unterleibes, der
besonders bei dieser doch eher unangenehmen Angriffsform gelegentlich vergessen
wird, denn was nützt die beste Abwehr „oben“, wenn es „unten“ einschlägt?

Um den Schwierigkeitsgrad schrittweise zu steigern, wurde mit der für den
Verteidiger „komfortabelsten“ Angriffsrichtung begonnen, und zwar von vorne
(Angreifer sichtbar). Hierbei galt, ebenso wie bei jeder anderen Verteidigung,
dass es von Vorteil ist, dem Angriff möglichst frühzeitig zu begegnen. Frank
Reichelt unterschied zur Übung in drei verschiedenen Distanzen: Der sehr
frühzeitigen Abwehr (Gegner ist noch nicht in Halsnähe), der Abwehr kurz bevor
der Gegner fassen kann und der Abwehr, nachdem der Gegner den Hals erreichen
konnte und der Würger tatsächlich einsetzt.
Nachdem die Übenden sich mit diversen Techniken durch alle Verteidigungsbereiche
„hindurchgekämpft“ hatten, ging man zum Würgeangriff von der Seite über, um sich
hiernach mit einem Angriff „aus dem Hinterhalt“ (von hinten) konfrontiert zu
sehen. Doch der unangenehmen Dinge nicht genug, folgte die nächste Attacke auf
dem Rücken liegend vor Kopf. Spätestens jetzt wussten die Teilnehmer, warum eine
trainierte Nackenmuskulatur nicht von Nachteil ist, galt es (unter anderem)
doch, genug Widerstand bieten zu können, damit der Angreifer den Kopf des
Verteidigers nicht auf den Boden bringen konnte.
Als Abschluss der Lehrgangs und zur Vertiefung der Bodenarbeit erfolgte der
letzte Würgeangriff wieder seitlich, diesmal in entspannt auf dem Boden
sitzender Position. Neben der Abwehr der gegnerischen Hände galt es nun
möglichst schnell wieder aufzustehen, um sich eine bessere Ausgangsbasis für
Folgeaktionen oder auch einfach nur das Entfernen vom Angreifer zu verschaffen.
Obwohl das Erfahrungs- und Übungsniveau der Teilnehmer naturgemäß in der
anwesenden Gruppe sehr unterschiedlich war, setzen alle Übenden die wesentlichen
Punkte sehr gut um: „Richtiger“ Angriff (damit der Partner sinnvoll üben kann),
Anziehen von Hals und Schultern als erste Maßnahme, um überhaupt noch Luft zu
bekommen und schließlich den nicht minder wichtigen Schutz des Unterleibes. Es
wurde intensiv, umsichtig und sehr konzentriert gearbeitet. Als Folge davon
verging die zur Verfügung stehende Zeit wie im Flug.
Ein kollektiver, kraftvoller Kiai bei der letzten Abwehraktion signalisierte
auch akustisch das Ende des Lehrgangs und dem Lehrgangsleiter „alles in Ordnung“
– ein nicht unwesentliches Zeichen nach der ausdauernden Beschäftigung mit einem
sehr empfindlichen Bereich des Körpers.

Text: Frank Reichelt
Bilder: Christian Ahuis, Markus Bülow