Lehrgang Abwehren an der Wand und im Boden, Körperumklammerungen und Sistierungstechniken mit und ohne Waffen mit Gerd Dressler und Hartmut Köppen

Der diesjährige erste Dan-Lehrgang fand am 14.03.09 in der Jahnturnhalle beim TV Hohenlimburg 1871 statt. Lehrgangsleiter waren Gerd Dressler (5. Dan Jiu Jitsu) und Hartmut Köppen (4. Dan Jiu Jitsu) vom TV Hohenlimburg 1871. Nach der Begrüßung wurden von Gerd Dressler einführende Worte für das Thema des Lehrgangs gefunden. Er thematisierte in einer theoretischen Einleitung mögliche Angriffsformen und mögliche Reaktionen bzw. Abwehrmaßnahmen und wies auch auf die Notwendigkeit von Konzentration bei der durchzuführenden Übung hin.
So sollten alle Übungen mit der notwendigen Entschlossenheit unter Berücksichtigung des Gesundheitszustandes des Partners durchgeführt werden: Also war richtiges Angreifen und Abwehren bei den einzelnen Übungen gefragt, doch zuvor wurde das Aufwärmtraining von Hartmut Köppen übernommen. In der gewohnten Weise – wie es beim Aufwärmtraining des TV Hohenlimburg üblich ist – wurden alle Körperregionen gezielt aufgewärmt.
Dann ging es direkt in die Techniken hinein, und zwar mitten hinein in eine mögliche Alltagssituation, die in eine Notwehrsituation umzuschlagen droht… Wie verhält man sich zum Beispiel wenn man an eine Wand oder vor einer Außen- bzw. Innenecke eines Hauses steht und an diese gedrückt bzw. geschubst wird? – Ein Beispiel für die Abwehr eines Angriffs an der Wand könnte folgende sein: Uke lehnt mit dem Rücken an der Wand. Tori setzt direkt zum Angriff an (Bild 1).
Was mache ich als Uke? Hier kann ein einfacher (aber wirkungsvoller) Tritt wie Mae Geri (bzw. Kin Geri), mit dem angewinkelten Bein getreten, als Schock erfolgen und danach kann versucht werden, durch Schlag auf den Ohren mit folgendem Gesichtshebel Tori in die Bodenlage zu bringen, immer gefolgt von einer aktiven Abwehrstellung, die von Wachsamkeit und Bereitschaft zeugt. Eine weitere Übung war es, dass Uke vor einer Außenecke steht und mit einem Tritt angegriffen wird (Bild 2).

     

Ein probates Mittel ist das einfache Heraus- oder Wegdrehen – Tori wird den Schwung nicht mehr stoppen können, tritt wahrscheinlich gegen die Eckkante und wird sich gegebenenfalls selbst verletzen, zumindest gelingt es ihm nicht, seinen Angriff abzuschließen. Diesen Moment muss Uke nutzen und seine Gegenaktion wie Schlag oder Tritt anbringen, um ihn somit außer Gefecht zu setzen.
Auch wenn man als Uke in eine Innenecke gedrängt wird, gibt es diverse Möglichkeiten, sich aus dieser Situation zu befreien, wie in Bild 3  deutlich wird. Uke wird von Tori in die Ecke geschubst oder gedrängt und wird zusätzlich gewürgt. Als Erstes sollten, wie es in den unteren Kyu-Graden erlernt wird, Unterleib und Hals geschützt werden. Letzteres erfolgt durch das Anziehen bzw. Hochziehen der Schultern, wodurch das Angriffsziel – der Hals bzw. der Kehlkopf – für Tori nicht mehr so gut erreichbar bzw. angreifbar wird und die eigentliche Abwehrtechnik (etwa durch Handkipphebel eingeleitet) folgen kann.
Danach gibt es diverse Varianten, Tori in einer für sich selbst sicheren Lage zu fixieren. Bei einer weiteren Übung wurden weder Angriff noch Abwehr vorgegeben. Die einzige Voraussetzung war ein seitliches Anlehnen an eine Wand, und der Angriff sollte in irgendeiner Art von hinten erfolgen. Gesagt, getan. Jedes Übungspaar sollte selbstständig versuchen, einen möglichen Angriff einzuleiten und diesen effektiv abzuwehren. Nach dem Austesten mussten alle Übungspaare vor der Gruppe ihre Angriffe und ihre möglichen Abwehrtechniken vorführen (Bild 4).

      

Durch die unterschiedlichen Varianten kam es zu einer Vielzahl von Abwehrmöglichkeiten, die hier in Kürze nicht genannt werden können. Es sollte aus der Übung hervorgehen, dass es eine Vielzahl von Abwehrtechniken gibt und dass man in Notsituationen intuitiv handeln muss. Hauptsache hierbei ist, dass man beherzt versucht, eine Abwehrtechnik oder Aktion durchzuführen und sich nicht dem Schicksal eines nicht abgewehrten Angriffs hingibt und somit eine Verletzung oder Schlimmeres einfach akzeptiert.
Hierbei gilt die Regel: Je besser die eingeübte Technik (Bewegung) sitzt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man diese auch im Ernstfall wirkungsvoll (automatisch) anbringt – eine Voraussetzung für angewandte Selbstverteidigung und Plädoyer für die stetige Wiederholung der Techniken. Durch die hohe Graduierung der Teilnehmer von Braun bis Schwarz hatte der Lehrgang auch von Seiten der anwesenden Lehrgangsteilnehmer ein hohes Niveau und jeder Teilnehmer konnte zu dem Bekannten sicherlich einige neue Aspekte für den Heimatverein mitnehmen.
Nach den Abgrüßen wurden die Lehrgangsleiter Gerhard Dressler und Hartmut Köppen mit Applaus für die kompetente und gute Durchführung des Lehrgangs bedacht. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto war dann der Lehrgang beendet und jeder machte sich mit vielen neuen Anregungen und Impulsen für das Heimdojo auf die Heimreise...

Text: Olaf Jäkel
Fotos: Christian Ahuis