Am 28.03.2009 fand im Dojo des
Bujindo e.V. in Mülheim an der
Ruhr an der Hölterstraße wie auch in den Vorjahren der diesjährige Iai Do
Lehrgang statt. Als Lehrer war Werner Schmidt Sensei (5. Dan Iai Do,
Iai Do
Abteilung PSV Bottrop e.V.) geladen, der am 21. März 2009 seinen 60. Geburtstag
feierte.
Iai Do ist der japanische Weg des Schwertziehens und gehört zum großen
Bereich der Budo-Disziplinen. Werner Schmidt Sensei, der zunächst über das Wesen
des Iai Do referierte und dann verschiedene Grundübungen vorstellte, stieg
alsbald in die Iai Do Kata, die Seitei-Iai („Standard-Iai“), ein.
Die von Werner
Schmidt Sensei ausgeübten verschiedenen Vorübungen (suburi) waren sowohl
Einstieg in das Iai Do als auch als weitere Aufwärm- und Dehnungsprogramm
gedacht. In der Wiederholung liegt der Schlüssel zum Erfolg: Nukitsuke,
Kiriotoshi, Tchiburi und Noto im Stand und im Knien – der Zyklus zwischen Ziehen
und Zurückführen des Schwertes in die Scheide – wurde wieder und wieder mit dem
Holzschwert geübt, bis sich der Ablauf automatisiert hatte.
Die Teilnehmer übten
nicht mit einem Iai-to, sondern mit einem Bokken (Boku-to), dem Holzschwert,
das, von geübter Hand geführt, ebenfalls eine sehr wirkungsvolle Waffe ist.
Ausgangspunkt für jede Iai Do Kata ist die Achtsamkeit oder erhöhte
Aufmerksamkeit in Konzentration und Ruhe. Plötzlich taucht (vor dem geistigen
Auge) ein Gegner auf und der Kampf beginnt: Es folgen präzise ausgeführte
Techniken, die den oder die Gegner (in der Kata als Simulation vor dem geistigen
Auge) töten. Während der besiegte Gegner immer noch aufmerksam beobachtet wird,
folgt das tchiburi (das Blut wird von der Klinge abgeschlagen bzw. tropft ab).
Das Schwert wird in die Scheide zurückgeführt, jederzeit ist ein weiteres
Schwertziehen möglich (noto). Der Kreis schließt sich.

Schon anhand der Kata
„Mae“ wurde deutlich, dass sich hinter einer „einfachen“ Kata – in den
Grundzügen (scheinbar) schnell gelernt – eine Welt für sich verbirgt, die dem
Übenden Schritt für Schritt verständlicher wird, je mehr er sich mit den vielen
kleinen Details beschäftigt, weil die Kata nicht nur technisch ausgeführt
werden, sondern vor allem geistig verinnerlicht werden muss. In diesem Punkt
unterscheiden sich Jiu Jitsu und Iai Do überhaupt nicht, vielmehr sind sie
Zweige, die aus dem mächtigen „Baum Budo“ herausgewachsen sind.
Der wesentliche
Unterschied zwischen Jiu Jitsu und Iai Do liegt darin begründet, dass man es im
Jiu Jitsu mit physisch vorhandenen Gegnern (Partnern) zu tun hat, während man
sich beim Üben des Iai Do den oder die Gegner im Geiste vorstellen muss. In
jeder Kata spiegelt sich sehr pointiert das mögliche eigene Schicksal – eine
Momentaufnahme im Leben – zwischen Sieg und Niederlage wider. Alles hinterlässt
(s)eine Spur und ist Bestandteil der ewigen Kette von Ursache und Wirkung, auch
wenn man an sich selbst im Moment noch nicht so recht feststellen kann, welchen
Erfolg das Üben dieser oder jener Technik für den jetzigen Status quo des
(technischen) Könnens gebracht hat oder in Zukunft bringen wird. Werner Schmidt
Sensei verstand es herauszuarbeiten, dass man nicht gegen einen echten Gegner
kämpft, sondern sich selbst spiegelt.
Wie in jeder anderen Budo-Disziplin auch,
versucht man seine eigenen Fähigkeiten zu meistern und seine Persönlichkeit
weiterzuentwickeln. Im Iai-Do ist Meisterschaft erreicht, wenn man die Situation
gewinnt, ohne das Schwert zu ziehen. Von herausragender Bedeutung sind hierbei
Körperhaltung und Ausstrahlung. Das Auftreten in Haltung und Form muss im Leben
genauso sicher sein, wie in der Kata. „Saya no uchi no kachi saya“ ist das
größte Ziel: Siegen, ohne das Schwert zu ziehen. In manchem Handeln bzw. im
Zusammenspiel von Form und Inhalt spiegelt sich die Wirklichkeit
zweckungebundenen Strebens wider, wie der Weg, der ebenfalls „Form“ und „Inhalt“
haben muss und ein Leben lang beschritten wird, um Dinge zu erkennen, die nur
erkannt werden können, wenn man sich seiner Kampfkunst mit ganzer Hingabe
widmet, wie es auch Adolph von Knigge formuliert hat: Ohne Begeisterung, welche
die Seele mit einer gesunden Wärme erfüllt, wird nie etwas Großes zustande
gebracht. Vielen Dank an Werner Schmidt Sensei und auch weiterhin alles Gute auf
dem Lebensweg… sensei-rei.

Text: Volker Schwarz, Andreas Dolny
Fotos: Carsten Kruhs