In der (christlichen/abendländischen) Zahlensymbolik ist die Zahl Sieben etwas
Besonderes. Sie verkörpert, auch wenn sie keine physische Form hat, die
Perfektion aus Göttlichem und Weltlichem. Die Zahl Sieben begegnet uns auf
Schritt und Tritt, nicht nur in Gestalt der `sieben Brücken´ (Karat/Maffay),
über die man – so die Botschaft des Liedtextes – gehen muss, denn auch im
Mutterland des Jiu Jitsu, in Japan, kennt man die `Sieben Samurai´, die Akira
Kurosawa zu einem filmischen Meisterwerk entfalten konnte.
Mehr als ein halbes Jahrhundert nach Kurosawas `Sieben Samurai´, in dem
kunstvoll die Lebenswirklichkeit einer Schicksalsgemeinschaft von sieben
japanischen Kämpfern im Ringen und die Frage, was richtig, gerecht, moralisch
oder aufrecht ist, thematisiert wurde, trafen sich erneut Tradition und Moderne.
Mit dem Einmarsch der Wettkämpfer und Punktrichter in die Harbecke-Sporthalle in
Mülheim an der Ruhr
wurden am 29. Mai 2010 um neun Uhr morgens die siebten Deutschen Meisterschaften
des Deutschen Jiu Jitsu Bundes (DJJB) begonnen. Nachdem alle Jiu-Jitsuka – ob
Groß oder Klein, Kyu- oder Dan-Grad – sich aufgestellt hatten, erfolgte die
Begrüßung durch die Bürgermeisterin der Stadt Mülheim an der Ruhr, Frau Renate
aus der Beek, welche ihrerseits Grußworte der Schirmherrin und
Oberbürgermeisterin der Stadt Mülheim an der Ruhr, Frau Dagmar Mühlenfeld, im
`Gepäck´ hatte.

Die Grußworte des 1. Vorsitzenden des SV-Siemens, Herrn Horst Schmoll,
rundeten die Begrüßung der Wettkämpfer und Zuschauer ab, bevor die
Meisterschaften durch den Präsidenten des DJJB, Dieter Lösgen (10. Dan Jiu
Jitsu), mit einem `Rei!´ eröffnet wurden.
Erstmalig im Jahre 1998 beim
TBF Bushido Essen
ausgetragen, richtete der
Bushido Mülheim
anlässlich seines 50-jährigen Bestehens
die siebten Deutschen
Meisterschaften aus. Somit kann man mit Fug und Recht behaupten, dass
sich hier in Mülheim an der Ruhr der Kreis im wahrsten Sinne des Wortes
wieder schließt. Der Kreis im Kreis bzw. Punkt im Punkt ist ein wesentliches
Merkmal, welches sich im Emblem der
Korporation Internationaler Danträger (KID) und im Emblem des
Deutschen Jiu Jitsu Bundes (DJJB)
wiederfindet; denn Kreis und Punkt haben in ihrer runden Form weder Anfang
noch Ende. “Tradition ist nicht die Aufbewahrung der Asche, sondern die
Weitergabe des Feuers“, heißt es – dies trifft wohl augenfällig auf die
Leistungen des Bushido Mülheim zu:
Aus den Reihen dieses Traditionsvereins wurde im Jahre 1972 die KID und zwei
Jahre später im Jahre 1974 der DJJB gegründet, wobei der zuletzt Genannte
nun in diesem Jahr zum siebten Mal im Zeichen des Jiu Jitsu zum `Fünfkampf´
einlud. Rund 260 Athleten aus allen Teilen Deutschlands waren angereist und
angetreten, um die Deutschen Meister in den fünf Oberkategorien Random
Attack, Pairs, Kata, Bodenkampf und Team auf vier Wettkampfmatten in
insgesamt 44 Unterkategorien zu ermitteln. Dies war bei der Qualität des
Gezeigten oft nicht einfach und manchmal zählten kaum sichtbare Details –
oder glückliche Fügung, ein Zufall oder eine hervorragende bzw. schlechte
Tagesform, welche im Endeffekt über Sieg oder Niederlage entschieden.




Doch es zählen nicht nur die Polaritäten Sieg oder Niederlage, denn jeder, der sich auf die Matte begibt und an einer Meisterschaft teilnimmt, geht mit einem Gewinn an Erfahrung nach Hause. So war es auch diesmal. Gewonnen haben aber auch die Zuschauer, denn sie konnten spannenden Vorkämpfen beiwohnen und mit ihren Favoriten mitzittern. Da sah man Elternteile, Freunde und Bekannte in den Zuschauerrängen, manche mit der Kamera am Mattenrand oder in der Cafeteria beim Kaffee sitzen, während sie leidenschaftlich über das Wettkampfgeschehen philosophierten.


Der gesamte Samstag ist für die Vorkämpfe in den Wettkampfdisziplinen Random
Attack, Pairs und Bodenkampf reserviert gewesen, während am Sonntag, den 30.
Mai 2010 ab neun Uhr die Finalkämpfe im Random Attack, Pairs und Bodenkampf
sowie die Entscheidungskämpfe in den Wettkampfkategorien Kata und Team
folgen sollten. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg, denn es hieß,
sich Kampf um Kampf nach vorne zu arbeiten. Der Erfolg der DM 2010 betraf
nicht nur die Wettkämpfer, sondern alle Teilnehmer und spiegelte sich
buchstäblich in Ablauf und Organisation der Großveranstaltung wider. Nach
einem langen Wettkampftag hieß es am Samstagabend die Matte zu verlassen und
zur Stadthalle
Mülheim zu wechseln. Es war sogar noch Zeit, das schöne Wetter in
Mülheim an der malerischen Ruhr mit einem Blick auf
Schloß
Broich bei einem schönen Spaziergang zu genießen.
Die Stadthalle Mülheim bot mit ihrem Blauen Saal zahlreiche Möglichkeiten,
den Abend kurzweilig zu gestalten, Tanz eingeschlossen. Das Abendprogramm
anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Bushido Mülheim hatte einiges zu
bieten: Von der Live-Musik über ein Rahmenprogramm mit gepflegter
Unterhaltung bis hin zum Bufett einschließlich Kinderbufett war alles dabei,
sogar ein Bauchredner mit `lebenden Puppen´. Die Gedanken an den vergangenen
Wettkampftag und an den kommenden vereinten sich in einem freundschaftlichen
Beisammensein der Jiu-Jitsuka aus ganz Deutschland.
Es war ein Abend, der neben dem Geselligen auch das Verbindende – auch etwas
von Yin
und Yang – suchte und fand. Wie bei Yin und Yang folgt auf die Nacht der
Tag: hier der Sonntagmorgen, der mit einem guten Frühstück aufwartete, um
Kämpfer, Matten- und Punktrichter sowie das Organisationsteam einschließlich
Zuschauer auf spannende Endkämpfe vorzubereiten.
Nach den Finalkämpfen am Sonntagnachmittag stand es dann fest:
Erfolgreichster Wettkämpfer der siebten Deutschen Meisterschaften wurde Oleg
Tartakowski (4 Gold- und 1 Silbermedaille); erfolgreichster Verein wurde mit
10 Gold-, 16 Silber und 11 Bronzemedaillen der
Bujindo Mülheim.
Abgerundet wurde der große Erfolg dieser Deutschen Meisterschaften im Jiu
Jitsu durch eine von den Kämpferinnen und Kämpfern geschaffene gute
Atmosphäre, das sehr gute Catering und durch das Einsehen von `Petrus´, dass
zum Gelingen des Vorhabens auch Maiwetter bzw. schon fast Juniwetter gehören
musste. Der Dank für die diesjährigen bemerkenswerten Deutschen
Meisterschaften im Jiu Jitsu geht an alle Wettkämpfer und den ausrichtenden
Bushido Mülheim – allen voran Dieter Mäß (7. Dan Jiu Jitsu) – mit seinen
freiwilligen Helfern sowie an das großartige Publikum, das die Wettkämpfer
über beide Tage begeistert unterstützt und angefeuert hat.
Und wenn Applaus und Trubel langsam verklingen, hört man vielleicht noch
leise die Worte Johann Heinrich Pestalozzis „Alles, was du bist, alles,
was du willst, alles, was du sollst, geht vor dir selbst aus.“
anklingen…

Die Deutschen Meisterschaften haben gezeigt, wie viel Kräfte in den Kindern
und Jugendlichen stecken – sie müssen nur geweckt und zum Guten hin
entwickelt werden. Das Dojo und das Training mit erfahrenden Lehrern bieten
die Rahmenbedingungen, um durch Jiu Jitsu Körper, Seele und Geist zu stärken
und in ganzheitlicher Weise zu entwickeln. Von Nina Wendt und Michael
Tscherpel wurden wir freundlicherweise mit gelungenen Photos – `lebenden
Momentaufnahmen´ – versorgt, welche die Erinnerung an die DM 2010 für die
Zukunft erhalten und pflegen helfen.
Apropos Zukunft: In zwei Jahren sehen wir uns wieder, wenn voraussichtlich
vom
Polizeisportverein Krefeld 1925 e.V. – sicherlich mit dem gleichen
`Herzblut´ – die achten Deutschen Meisterschaften des DJJB im Jiu Jitsu
ausgerichtet werden. Als Zahlensymbolik für die Acht bietet sich
möglicherweise die `liegende Acht´ (in der Mathematik für Unendlichkeit
stehend) an, denn Jiu Jitsu verbindet viel mit dem auch im menschlichen
Leben anzutreffenden immerwährenden Kreislauf von Stehen, Fallen, Liegen und
Wiederaufstehen.
Wir wünschen allen Jiu-Jitsuka, die an den Deutschen Meisterschaften
teilgenommen haben, auch weiterhin alles Gute. Diejenigen, die noch nicht
aktiv teilgenommen haben oder nach diesen Meisterschaften mit dem Gedanken
der Teilnahme spielen, sind herzlich eingeladen, im sportlichem Wettkampf,
im Zeichen von Fairness, Respekt und Freundschaft ihr Können zu zeigen und …
vielleicht schon bald mit `Edelmetall´ auf das `Treppchen´ zu kommen.
Text: Volker Schwarz, Andreas Dolny