Hans-Gert Niederstein gründete im Jahre 1960 eine Abteilung für Jiu Jitsu und
Judo Abteilung innerhalb der Sportgemeinschaft SV Siemens e.V., auf welcher der
heutige Verein Bushido
Mülheim e.V. fußt. Damals waren Dreiviertel der Mitglieder Angehörige der
Firma Siemens AG. Aus den Reihen unseres Vereins wurde im Jahre 1972 die
Korporation Internationaler Danträger
(KID) und zwei Jahre später im Jahre 1974 der Deutsche Jiu Jitsu Bund (DJJB)
gegründet.
Nach dem Tod von Hans-Gert Niederstein (10. Dan Jiu Jitsu) am 12. November 1985
übernahm der langjährige Wegbegleiter Hans-Gert Niedersteins und zweite Lehrer
des Vereins, Dieter Lösgen (heute 10. Dan Jiu Jitsu, Bundestrainer), die
sportliche Leitung des Bushido Mülheim. Ihm standen Dieter Mäß als zweiter
Lehrer (heute 7. Dan Jiu Jitsu) und Josef Djakovic (heute 7. Dan Jiu Jitsu,
Erster Vorsitzender DJJB/KID), der sich erfolgreich um den Nachwuchs kümmerte,
zur Seite.

v.l.n.r.: Dieter Mäß, Hans-Gert Niederstein, Dieter Lösgen
Die Jahre vergehen, heute wird der Verein von Dieter Mäß Renshi (7. Dan Jiu Jitsu), Markus Wilger (4. Dan Jiu Jitsu) und Sascha Berndsen (1. Dan Jiu Jitsu) geführt. Anfang 2005 verließen wir unser angestammtes Dojo in der alten Siemens-Werkshalle an der Zinkhüttenstraße und sind zum Schildberg (Schildberghalle des Dümptener Turnvereins) umgezogen. Kampfkünste wie das Jiu Jitsu müssen immer wieder den Spagat zwischen der Beibehaltung des Status quo und notwendigen Veränderung meistern.

Das traditionelle Jiu Jitsu kennt sportliche Wettkämpfe im heutigen Sinne
nicht. Die Samurai haben diese effektive Kriegskunst damals nur zur
waffenlosen Selbstverteidigung angewandt. Der Grund, warum sich der DJJB
lange Zeit davon Abstand nahm, Wettkämpfe auszurichten und sich
ausschließlich der traditionellen und realen Selbstverteidigung verschrieben
hatte, resultiert aus dem Gedanken, dass durch die Ausübung dieser
Kampfkunst als Wettkampf möglicherweise wesentliche Inhalte, ja sogar
letztendlich der Geist der Kampfkunst als solche selbst hätte verloren gehen
können. Das zu intensive Streben nach dem äußeren, messbaren Erfolg würde
schlimmstenfalls vorrangiges Ziel, und darüber ging das Streben nach
innerer, geistiger Vervollkommnung verloren oder würde stark vernachlässigt
oder geriete ganz in Vergessenheit, so die Befürchtung. Wer ausschließlich
mit dem Ziel übt, andere Budoka/Sportler im Wettkampf zu besiegen, geht den
leichten Weg und übersieht, dass es schwerer und wertvoller ist, sich selbst
zu besiegen.
Blendet man diesen so wertvollen Gedanken aus, so wird hier ein fatal
leichter Weg beschritten, der mit dem WEG (Do) des Samurai nichts mehr
gemein hat. Somit musste in einem langen Entwicklungsprozess eine
Wettkampfform gefunden und entwickelt werden, die mit der Kampfkunst Jiu
Jitsu völlig in Einklang stand, wollte man budospezifischen Wettkampfsport
mit dem Jiu Jitsu so kunstvoll verflechten, dass keine Widersprüche
entstünden. Aus diesem Grund entschied sich der DJJB für eine Wettkampfform,
die einen geeigneten technischen Vergleich der Wettkämpfer anstrebt, und
zwar im Rahmen einer sportlichen Auseinandersetzung.


Erstmalig im Jahre 1998 beim TBF Bushido Essen ausgetragen, richtet der
Bushido Mülheim anlässlich seines 50-jährigen Bestehens die siebten
Deutschen
Meisterschaften aus. Diese sind nicht nur interessante sportliche
Highlights, sondern sie geben vor allem Kindern und Jugendlichen – während
sie hierbei von ihren Lehrern begleitet werden – die Möglichkeit, wertvolle
Erfahrungen wie Sieg oder Niederlage zu machen, aus diesen zu lernen und die
Essenz dieses Lerneffekts bzw. den Lernzuwachs mit in die persönliche
Entwicklung der Budo-Persönlichkeit einfließen zu lassen. Die
diesjährigen Deutschen
Meisterschaften im Jiu Jitsu werden am 29. Mai 2010 um 09:00 Uhr mit dem
Einmarsch der Wettkämpfer und Punktrichter in die Harbecke-Sporthalle,
Mintarder Straße 45 in Mülheim an der Ruhr beginnen. Die Begrüßung wird
durch die Schirmherrin Frau Dagmar Mühlenfeld und dem 1. Vorsitzenden des
SV-Siemens Herrn Horst Schmoll erfolgen, bevor die Meisterschaften durch den
Präsidenten des DJJB, Dieter Lösgen (10. Dan Jiu Jitsu), eröffnet werden.
Der gesamte Samstag ist für die Vorkämpfe in allen Wettkampfdisziplinen
reserviert, während am Sonntag, den 30. Mai 2010 ab 09:00 Uhr die
Finalkämpfe und zum Abschluss die Siegerehrungen stattfinden werden. Der
Eintritt an beiden Tagen ist für Zuschauer frei. Meisterschaften oder
Prüfungen sind Highlights, die kontinuierliches Üben im Verein über längere
Zeit erfordern, wenn man erfolgreich sein will. Die wichtige
Grundlagenarbeit hierfür wird in den Vereinen wie dem Bushido Mülheim
geleistet – hier nunmehr seit einem halben Jahrhundert. Wir vermitteln
unseren Mitgliedern Training in Fitness, Körperbeherrschung und effektiver,
moderner Selbstverteidigung. Im Kindertraining werden im Dojo (Übungshalle)
zunächst hauptsächlich Wurftechniken vermittelt. Dort zeigen wir unseren
Jüngsten aber nicht nur, wie man sich selbst schützen kann, sondern es ist
uns auch sehr wichtig, dass wichtige Werte wie Gewaltvermeidung – ein
konstruktiver Umgang mit Konfliktsituationen –, Selbstdisziplin und
rücksichtsvoller Umgang miteinander erlernt werden (bei Interesse siehe
http://www.bushido-muelheim.de). Das Dojo und das Training mit
erfahrenden Lehrern bieten die Rahmenbedingungen, um Körper, Seele und Geist
nicht nur für die „Matte“ sondern auch für den Alltag abseits der „Matte“
fit zu machen, denn: Ob du eilst oder langsam gehst, der Weg bleibt
immer derselbe. (chinesische Weisheit).
Text: Dieter Mäß, Werner Naskrent, Volker Schwarz, Andreas Dolny
Bilder: Bushido Mülheim