Kataformen und Danvorbereitung in Essen

Nachdem im Februar bereits die Kata-Lehrgänge zur 1. Jiu Jitsu Kata („Abwehren gegen Handgelenkbefreiungen“), zur 2. Jiu Jitsu Kata („Abwehren gegen Körperangriffe“) und zur 3. Jiu Jitsu Kata („Abwehren gegen Distanzangriffe“) beim TBF-Essen stattgefunden haben, sollte am 21. Februar 2010 der Kata-Lehrgang zur 4. Jiu Jitsu Kata („Abwehren gegen Kurzstockangriffe“) folgen.
Die Lehrgänge leiteten Dieter Lösgen (10. Dan Jiu Jitsu, Bundestrainer) und Josef Djakovic (7. Dan Jiu Jitsu, 1. Vorsitzender KID/DJJB). Kata bedeutet aus dem Japanischen ins Deutsche übersetzt soviel wie Form, Stil, Haltung, aber auch Vorschrift, Muster, Abdruck oder Schablone. Kata im Rahmen der Prüfungsordnung des DJJB bezeichnet die stilisierte Form eines Kampfes gegen einen einzelnen realen Gegner, bei dem Verteidigung, Angriff und Gegenangriff in festgelegter Abfolge und Ausführungsart geübt werden.
Wer Kata übt, trainiert zunächst die Einzeltechniken, verbindet diese zur vorgeschriebenen Form und schließlich, wenn der Ablauf der Form erlernt ist, beginnt der Feinschliff. An allen Lehrgangstagen zeigte sich, dass Kata auf Technik, Geschmeidigkeit, dem Miteinander von Tori und Uke und auf sehr, sehr viel Feinarbeit und Konzentration beruht.

       

Es zählen nicht nur die Kraft und der impulsive Einsatz sowie das Verinnerlichen von „Aktion“ und „Reaktion“, sondern ebenfalls das Verständnis für Spannung und Entspannung, von welchem Tori und Uke von Anfang der Technik bis zum Schluss durchdrungen sein müssen. Dieter Lösgen referierte, dass die Kata-Formen Nr. 1 bis 3 die waffenlosen Angriffe (Körper- und Distanzangriffe) beinhalten, während die Kata-Formen Nr. 4 bis 6 Waffenangriffe (Stock, Messer und Pistole) zum Thema haben.
Wie schon die Kata-Formen 1 bis 3 als eine Einheit zu betrachten sind, werden auch die Kata-Formen 4 bis 6 in formaler und inhaltlicher Hinsicht als zusammenhängende Einheit betrachtet. Aus dem Wesen der Kata ergibt sich eine klar festgelegte Ablaufform, die sich zum Beispiel vom Bodenkampf unterscheidet, denn hier entsteht aus dem unvorhersehbaren Verlauf des Kampfes eine schier unendliche Kette von möglichen Bewegungsabläufen, die tatsächlich erst dann ein Ende findet, wenn einer der beiden Kämpfer aufgibt bzw. der andere gewonnen hat. Kata – das ist schließlich auch der Ablauf des Lehrganges selbst.
Nach dem gemeinsamen Verbeugen werden die jeweiligen Techniken im Detail gezeigt und sorgfältig erklärt. Jede Kata aus der Prüfungsordnung des DJJB besteht aus fünf Techniken, die von Tori und Uke jeweils seitenverkehrt (rechts und links) erlernt und ausgeführt werden müssen. Kata ist auch unabhängig von Geschlecht oder Kraft zu sehen – also nicht Kata for men, sondern Kata for all lautet die Devise. Nach den einzelnen Techniken folgt die Laufschule, bevor der Lehrgang mit der gemeinsamen Verbeugung endet. Jeder Kata-Lehrgang des DJJB folgt diesem Muster.

Im Detail ging das Lehrer-Duo auf die kleinen Feinheiten der Techniken ein, die gerade denjenigen unter den Lehrangsteilnehmern zunächst Probleme bereiten können, die Kata zum ersten Mal erlernen. Da Kata auch immer ein Bestandteil des Prüfungsprogramms nach der Prüfungsordnung des DJJB für eine Prüfung vor dem Dankollegium ist, fanden sich viele Teilnehmer der Kata-Lehrgänge auf dem Danvorbereitungs-Lehrgang wieder zusammen, denn Kata und technisches Prüfungsprogramm bilden eine Einheit.

Ganz in diesem Sinne wurde auch der Danvorbereitungs-Lehrgang am 27. Februar 2010 vom Lehrer-Duo Dieter Lösgen und Josef Djakovic geleitet. Nur noch wenige Monate trennen die Prüflinge von der Dan-Prüfung am 27. Juni 2010, daher herrschte im Dojo des TBF Essen eine sehr konzentrierte Stimmung. Dieter Lösgen wies die Teilnehmer des Danvorbereitungslehrgangs – unter denen einige den Braungurt mit 3. Streifen im Jiu Jitsu oder den 1. Dan Jiu Jitsu ablegen wollen – noch einmal eindringlich drauf hin, dass Kata als essentiell wichtiges Element im Rahmen der Anforderungen für eine Dan-Prüfung im Jiu Jitsu nicht zu vernachlässigen ist, und daher immer natürlicher Teil des Trainings sein sollte.
Unterschreitet die Note für Kata in erheblichem Maße die Anforderungen, so kann die gesamte Dan-Prüfung gefährdet sein! Kata ist schließlich wesentlicher Bestandteil der Dan-Prüfung, und zwar nicht nur in symbolischer Hinsicht – oder weil die Kata in ihren Bewegungsabläufen so elegant und harmonisch aussieht – sondern auch hinsichtlich der möglichen Punktzahl, die es bei einer Dan-Prüfung zu erreichen gilt. Die Zusammenarbeit zwischen Lehrer und Prüfling auf dem Danvorbereitungs-Lehrgang ist an Vertrauen auf beiden Seiten geknüpft: Der Prüfling legt offen, was er noch nicht beherrscht und bittet darum, einerseits noch einmal Verbesserungsvorschläge zu erhalten, andererseits erwartet er von den Lehrern, die aus der Sicht des Prüfungskomitees das Gezeigte beurteilen, auch ein ehrliches und transparentes Feedback, ob der momentane Leistungsstand – also das, was gezeigt wird: Kata + Prüfungstechniken + „Kreis“ + Theorie – voraussichtlich für das erfolgreiche Bestehen der nächsten Dan-Prüfung ausreichen wird…
Vielen Dank an Dieter Lösgen und Josef Djakovic für die insgesamt fünf lehrreichen Tage, an denen viel gelernt werden konnte. „Du bist deine eigene Grenze. Erhebe dich darüber.“ (Hafis, persischer Lyriker)

Andreas Dolny, Volker Schwarz, Tanja Behning