Am 30. Januar 2010 fand der erste Kyu-Lehrgang des Jahres unter der Leitung
von Josef Flecken (2. Dan Jiu Jitsu) in der Rhein-Ruhr-Sporthalle in Mülheim
an der Ruhr statt.
An diesem schönen Samstagnachmittag, den man möglicherweise auch als
Familientag mit anschließendem Spaziergang – nicht nur an Rhein und Ruhr –
hätte nutzen können, wurden die Teilnehmer des Kyu-Lehrgangs für Gelb- bis
Grüngurte mit Josef Flecken schnell entschädigt: Josef Flecken, ein sehr
erfahrener Meister, zeigte den jungen Lehrgangsteilnehmern, die zum ersten
Mal einen Lehrgang besuchten, aber ebenso auch den älteren Teilnehmern mit
mehr Lehrgangserfahrung seine vielfältigen Abwehrtechniken.
Auf dem Programm fanden sich Abwehren gegen gefasste Angriffe. Nach kurzer
Vorstellung und lockerer Aufwärmphase ging es in den praktischen Teil des
Lehrgangs. Es wurde eine Reihe von Handgelenksbefreiungen mit
Abschlusstechniken sowie Abwehrtechniken gegen Würgeangriffe von vorne und
von hinten vorgestellt und anschließend intensiv geübt. Bei den
Abwehrtechniken achtete Josef Flecken besonders darauf, dass der Angreifer
nach erfolgter Abwehr kontrolliert zu Boden geführt wurde.


Sobald die Techniken von der Grundidee her vom Körper selbst „begriffen“
waren, wurden auch die Partner gewechselt, damit die Teilnehmer erfahren
konnten, dass nicht jeder Partner – auf der „Straße“ möglicherweise ein
Gegner – auf die gleiche Art und Weise angreift bzw. würgt oder fasst.
Wichtig war Josef Flecken auch darauf hinzuweisen, dass Würgeangriffe sehr
gefährlich bzw. lebensbedrohlich sein können. Für das Fassen gilt – so Josef
Flecken –, dass dieser Angriff erst der Einstieg in eine Folgetechnik sein
kann. Das Fassen des Handgelenks ist somit nicht „harmlos“ und verlangt eine
sofortige und angemessene Reaktion.
Diese Reaktionen des ersten Moments müssen ständig trainiert werden: Sobald
eine Hand sich an den Hals legt, muss das Anziehen der Schultern erfolgen;
ebenso darf nicht gewartet werden, bis der Gegner die Hände/Handgelenke
völlig unter Kontrolle gebracht hat. Hierbei bilden sich durch das ständige
Üben geeignete Bewegungsmuster, die – schnell und ohne Nachdenken ausgeführt
– der eigentlichen Folgetechnik vorgeschaltet sein müssen, damit das Ganze
Aussicht auf Erfolg hat. Der Schutz des Unterleibs ist ebenfalls nicht außer
Acht zu lassen.
Den Bewegungsmustern, die nach längerer Zeit buchstäblich „in Fleisch und
Blut“ übergehen, stehen Verhaltensmuster und eine ausgesprochen gute
Körperhaltung hilfreich zur Seite: „Wie verhalte/präsentiere ich mich im
Alltag so, dass ich als ´stark´ angesehen bzw. wahrgenommen werde?“ –
Viele Dinge wurden geübt und einstudiert, aber auf eine angenehme und im
besten Sinne spielerische Art und Weise, sodass jeder der Anwesenden mit
einer Auswahl an Techniken und neuen Ideen zurück ins Dojo fahren konnte.
Als Highlight zeigte Josef Flecken einen Kata-Guruma aus der
Handgelenksbefreiung parallel gefasst, womit er die Lehrgangsteilnehmer
besonders zum Staunen brachte. Zum Schluss waren die angereisten Jiu-Jitsuka
sich darüber einig, dass dieser Lehrgang für Gürtelgrade von Gelbgurt bis
Grüngurt ein gelungener Auftakt ins neue Jahr darstellte und den wichtigen
Lernzuwachs an Techniken mit Spaß kombinieren konnte. Vielen Dank an Josef
Flecken für diesen interessanten Lehrgang. Wer dich einen Tag
unterrichtete, ist das ganze Leben lang dein Vater. (chinesisches
Sprichwort)

Text: Friedrich Breitkreutz, Volker Schwarz
Bilder: Friedrich Breitkreutz