Was haben große staatliche Gebilde wie die
Europäische Union
(EU) und die United Nations of
Ju Jitsu (UNJJ) gemeinsam? Neben dem Gedanken von Stärke und Sicherheit
durch Einheit ist es sicherlich auch die Freude an der Vielfalt und die
Überzeugung, dass aus dieser Vielfalt im Gemeinsamen immer wieder neue
Impulse für die Zukunft erwachsen können.
Während sich die Sommerferien in NRW ihrem Ende näherten und sich Kinder,
Jugendliche und Erwachsene mehr oder weniger auf den altbekannten Rhythmus
„Es geht wieder zur Schule…“ einstellen konnten, hieß es für das
Nationalteam des Deutschen Jiu Jitsu Bundes (DJJB) noch einmal
durchzustarten, denn die 19. UNJJ Meisterschaften in
Hvidovre – einem südwestlichen Vorort von Kopenhagen mit knapp 50.000
Einwohnern – standen vom 26. bis 30. August 2010 auf dem Plan.
Die ´Nähe´ zum Budo lässt sich nicht verleugnen, denn in Hvidovre wurde im
Jahre 1929 – lange nachdem `Wiki und die starken Männer´ halb Europa
unsicher gemacht haben – ein 3.500 Jahre altes Schwert aus der Bronzezeit
entdeckt..., von Wikingern war zu dieser Zeit weit und breit noch nichts zu
sehen. Somit war Hvidovre mit diesem Fund aus ´budo-technischer´ Sicht ein
geeigneter Ort für die Ausrichtung der 19. UNJJ Meisterschaften, womit nicht
angedeutet sein soll, dass das deutsche Team sich nur auf ´Bronze´ fixiert
hatte!
Die 50 Jiu-Jitsuka aus Deutschland sind in unser Nachbarland im Norden
gefahren, um sich hier mit den Budoka aus den Mitgliedsländern der UNJJ auf
der Matte in den bekannten Kategorien wie Random Attack, Pairs, Team,
Bodenkampf etc. zu messen. Am Freitag, den 27. August 2010 kamen die
Teilnehmer das erste Mal – nachdem man entweder im Scandic Hotel in Hvidovre
oder in der Jugendherberge im Zentrum Kopenhagens, einer bunten Stadt mit
internationalem Flair, die Unterkunft bezogen hatte – offiziell beim ´Get
together´, bzw. beim ´Welcome drink´ in internationaler Atmosphäre zusammen.

Einmal gesehen, sollten sich die Wettkämpfer für die nächsten Tage kaum mehr
aus den Augen verlieren. Somit wurden die Nächte kurz und die Tage intensiv.
Aber wer wollte schon schlafen? „Ausruhen können wir, wenn wir wieder zu
Hause sind…“, so die einhellige Meinung der angereisten Kämpferinnen und
Kämpfer.
Und so sollte es auch sein, denn die UNJJ-Budoka aus den Mitgliedsnationen
waren während des Aufenthaltes rundum mit den Meisterschaften, dem Lehrgang
und dem gemeinsamen Beisammensein auf und abseits der Matte beschäftigt. Die
Sporthalle, in der Meisterschaften und Lehrgang stattfanden, war sehr gut
mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, sodass sich
nach der Ankunft des DJJB-Teams auch noch die Möglichkeit für den einen oder
anderen kurzen Ausflug in die nähere Umgebung oder einen längeren ´Trip´
nach Kopenhagen ergab. Am Samstagmorgen ging es schon richtig los, und zwar
mit der Eröffnung der UNJJ Meisterschaften, dem Lehrgangsprogramm und der
Meister-schaft selbst. Im Mittelpunkt standen die Wettkämpfe in den
Wettkampfdisziplinen Random Attack, Ground Fighting und Sparring.
Abends folgte für die Fortgeschrittenen bzw. Höhergraduierten das
Masterdinner. Am Sonntag folgten die Kategorien Kata (mit Waffen sowie
waffenlos) und Team Demonstration. Hier sah man die Highlights, denn man
konnte die spannenden Endkämpfe der Meisterschaften mit anschließender
Siegerehrung ´live´ verfolgen und spannende, bewegende Momente erleben.
Abgerundet wurde das Ganze durch das Galadiner.
Nach den ergreifenden Finalkämpfen am Sonntagnachmittag stand es dann fest:
Erfolgreichster deutscher Verein wurde der
Zen Bogyo Do e.V. Otterbach
mit vier Gold-, vier Silber- und zwei Bronze-medaillen, gefolgt vom
TBF Essen e.V.
mit viermal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze. Das Nationalteam aus
Deutschland hat insgesamt 14 Gold-, 12 Silber- und sieben Bronzemedaillen
erkämpft und kam mit dieser überdurchschnittlichen Leistung nach
Großbritannien auf den zweiten Platz im Medaillenspiegel.

Nach einer feierlich gesprochenen Schlussformel folgte die Übergabe der
UNJJ-Fahne an den nächsten Ausrichter: die USA. Damit endeten offiziell die
19. Meisterschaften der UNJJ. Die
20. Meisterschaften der UNJJ sind wieder ´runde´ Meisterschaften und
werden 2011 in
New
York/USA stattfinden; es geht zum „Big Apple“, möglicherweise von
Frankfurt am Main aus.
Der Ort Gelnhausen-Meerholz in Hessen (etwa 50 Kilometer nordöstlich von
Frankfurt am Main, einer der Verkehrsdrehscheiben Europas, wo man Äpplewoi
zu trinken pflegt) befindet sich auf 9 Grad 9 Minuten östlicher Länge und 50
Grad 10 Minuten 21 Sekunden nördlicher Breite: Hier liegt seit der
Erweiterung auf 27 Mitgliedsstaaten im Jahre 2007 das geographische Zentrum
der Europäischen Union (EU).
Vom Mittelpunkt der EU nach Hvidovre waren es 789 Kilometer, bis nach New
York sind es allerdings etwa 6.250 Kilometer, die man reisen muss. Aber es
ist ja noch ein gutes Jahr Zeit und mit Kolumbus´ Vorarbeit wird es wohl
gelingen. – In Hvidovre, einem für den sprachkundigen Laien nicht immer
einfach auszusprechenden dänischen Wort, wurden vorhandene Freundschaften
unter Zuhilfenahme von zahlreichen Sprachen (mit ´Händen und Füßen´)
gepflegt sowie Erfolge gefeiert und so mancher Kämpfer aus den
Mitgliedsländern der UNJJ ist über Nacht buchstäblich in einem sympathischen
´Höhenflug´ über sich hinaus gewachsen. Abgerundet wurde der große Erfolg
dieser 19. Meisterschaften der UNJJ durch eine von den Kämpferinnen und
Kämpfern geschaffene und getragene internationale Atmosphäre, die zum
Gelingen des Vorhabens beitrug.
Doch auch der kühnste Flieger ist, wenn er seinen Ballast abgeworfen hat,
darauf angewiesen, dass er beim Training im Heimdojo wieder seine
´Landebahn´ findet und gleichermaßen selbstbewusst und bescheiden seinen Weg
weiter beschreitet, wie es sinngemäß in der dänischen Weisheit „Auch ein
Adler mit Ballast an den Beinen kann nicht hoch fliegen“ anklingt. Der
DJJB gratuliert zum Erfolg und wünscht auch weiterhin alles Gute.

Text: Volker Schwarz & Andreas Dolny
Bilder: DJJB