Wenn die erste Hälfte des Jahres ist verstrichen ist, wird es Zeit für die erste
von zwei Dan-Prüfungen, die der DJJB jedes Jahr ausrichtet. Diesmal fiel der Tag
der Prüfung auf den 17.07.2011.
In den beiden Prüfungskomitees saßen an diesem Sonntag Dieter Lösgen (10. Dan
Jiu Jitsu), Josef Djakovic (7. Dan Jiu Jitsu), Dieter Mäß (7. Dan Jiu Jitsu) und
Harald Westrich (5. Dan Jiu Jitsu), sowie die Beisitzer Volker Schwarz und
Jürgen Rautert (beide 3. Dan Jiu Jitsu). Zur Prüfung angetreten war Sven
Schoolmann, der seine Prüfung zum 1. Kyu ablegen sollte. Neben dem genannten
Anwärter traten im Übrigen Alexander und Lydia Lint, Marcel Siemon, Thomas
Konrad und Robert Janz zum 1. Dan Jiu Jitsu zur Prüfung an. In einer
entspannten, aber konzentrierten Atmosphäre zeigten die Prüflinge dem Komitee
ihr Können.

Den geduldigen und geschulten Augen der Prüfer entging nichts. Den
Zuschauern bot sich an diesem Tag ein breites Repertoire aus den
unterschiedlichsten Angriffen und Verteidigungstechniken aus dem
Prüfungsprogramm des DJJB. Alle Prüflinge hatten als gemeinsame Aufgabe
Kata. Nach der Demonstration der Kata fängt das Programm des einzelnen
Prüflings erst an, denn es wird ein für den Gürtelgrad gültiger Querschnitt
aus dem Technikkanon des DJJB verlangt, der an diesem Tag pro Prüfung
durchweg über 100 Einzeltechniken vorsah. Hierzu gehören auch die Techniken
zur Verteidigung gegen einen Angriff mit der Waffe.
Besonderes Augenmerk wurde wie immer auf diese Waffentechniken gelegt,
schließlich geht von Messern und Schusswaffen auch in der Abwehr derselben
die größte Gefahr für einen selbst und Unbeteiligte aus. Somit kam der
Waffenkontrolle und -entnahme eine große Bedeutung zu. Hier konnte man
punkten oder auch bereits durch gute Techniken gewonnene Punkte wieder
verlieren. Dabei sei betont, dass die Prüfungsleistung in einer Punktezahl
mit Note zum Ausdruck kommen muss, denn im Ernstfall ist der „Punktabzug“
für einen Schnitt oder Schuss womöglich eine schwere Verletzung mit
Todesfolge.
Nach der Technikdemonstration folgte in der Regel eine Pause. Danach ging es
für jeden Prüfling in den „Kreis“ und es zeigte sich, dass die anwesenden
Jiu-Jitsuka nicht nur für einen Prüfungstag mit Prüfungspartner – und somit
lediglich zur Schau – gelernt hatten, sondern dass sie auch in der Lage
waren, zu improvisieren. Am Schluss einer jeden Prüfung steht die
Manöverkritik, der sich jeder offene Jiu-Jitsuka stellen muss. Trotz ihres
guten Erfolges bei der Prüfung sollten sich alle Prüflinge stets bewusst
bleiben, dass das Erhalten des Erlernten oft schwerer ist als das Erwerben
und dies die eigentliche Prüfung ist, die sie zu bestehen haben.
Das Erlernen und Darstellen der Techniken ist keine einmalige Angelegenheit,
sondern muss eingebettet in einem permanent wirkenden Prozess von Üben,
Korrigieren (korrigiert werden), Verbessern und Praktizieren sein. Nur so
kann der Stillstand der Entwicklung und der Beschreitung des Weges „Do“
vermieden werden.
Eine weitere Voraussetzung ist die permanente fachlich kompetente Betreuung
durch einen Lehrer im Jiu Jitsu, der Stärken und Schwächen aufzeigen kann,
der zum richtigen Zeitpunkt das notwendige Maß an Kritik übt und
letztendlich über einen langen Zeitraum die Aufgabe wahrnimmt, den
anstrengenden Schliff des „Rohdiamanten“ im Dojo vorzunehmen.

Im Verlauf der Dan-Prüfung, die in Essen im Dojo des TBF-Essen-Frintrop e.V.
stattfand, sahen Zuschauer, Prüflinge und Prüfer überzeugende Leistungen und
interessante Darbietungen des Jiu Jitsu. In einer feierlichen Zeremonie
wurde den neuen Dan-Trägern der Schwarzgurt umgebunden und die Urkunde zur
bestandenen Prüfung überreicht. Die Nationalhymnen Deutschlands und Japans
rundeten die Zeremonie ab, gefolgt von dem Beifall der anwesenden Freunde,
Eltern und Zuschauer, die nun endlich auf ihre Weise – nach einer langen
Phase konzentrierter Atmosphäre – ihrer Begeisterung angesichts des
Gezeigten freien Lauf lassen konnten.
Manch einer erinnerte sich in diesem Augenblick daran, dass er die
Nationalhymne Japans doch bereits schon kurz zuvor gehört hatte und sich
auch hier Begeisterung und Freude Bahn brach, zum Gewinn des Finalspiels der
Fußballweltmeisterschaft durch die japanische Damenmannschaft.

Der DJJB gratuliert allen Prüflingen zur erbrachten Leistung und wünscht ihnen für den weiteren Weg alles Gute.
Text: Andreas Dolny & Volker Schwarz
Photos: Lydia und Alexander Lint