In Zeiten großer Krisen neigt der Mensch dazu, zu sehr auf das Nützliche und
Profitable zu beschränken: „Was bringt mir das?“ oder „Was habe ich davon?“ –
das sind gängige Worte, die nur allzu oft in diesem Kontext wahrgenommen werden.
Den Deutschen Jiu Jitsu Bund verbindet seit Jahren eine enge Freundschaft
mit den griechischen Jiu-Jitsuka um Christos Barberis (4. Dan Jiu Jitsu).
Dabei war der DJJB durch die geleistete Unterstützung am Aufbau des griechischen
Jiu-Jitsu-Verbandes beteiligt. Die Internationalen Meisterschaften der United
Nations of Ju Jitsu (UNJJ), die im Jahre 2007 von Deutschland in Griechenland
ausgerichtet worden sind, waren ein voller Erfolg und haben die
´deutsch-griechische Freundschaft´ noch weiter vertieft.
Auch in diesem Jahr wurde die Tradition des Besuchs nordrhein-westfälischer
Lehrer des DJJB – Dieter Lösgen (10. Dan Jiu Jitsu) und Josef Djakovic (7. Dan
Jiu Jitsu) – weiter fortgesetzt: Von Montag, den 20. Juni 2011 bis Sonntag, den
26. Juni 2011 hatten zahlreiche Jiu-Jitsuka in Kavala/Griechenland die
Gelegenheit wahrgenommen, somit eine Woche lang diesem besonderen
deutsch-griechischen Austausch beizuwohnen.

Nach der Landung in Thessaloniki hatte Christos Barberis Dieter Lösgen und Josef
Djakovic abgeholt und bei sich untergebracht. Auch in dieser Hinsicht wurde eine
langjährige Tradition weiter gepflegt. – Griechenland hat eine sehr lange und
bedeutende kulturelle Tradition; wenn man von den ´alten Griechen´ spricht, dann
hat man vor allem die griechischen Philosophen vor Augen. Somit ist es keine
schlechte Idee, für jeden Tag vor Ort einen Leitspruch aus vergangenen, antiken
Zeiten zu finden, der auch heute noch seine Gültigkeit hat. – Thales: „Was
du den Eltern Gutes tust, das erwarte selbst im Alter von deinen Kindern.“
Der hier angesprochene ´Generationenvertrag´ spricht Menschen in allen Teilen
dieser Erde an und hat auch auf der Matte – Anknüpfungspunkt zwischen Altem und
Neuem – seine Gültigkeit, denn die Weitergabe und Pflege des Wissens von
Generation zu Generation ist die Grundlage für das Überleben und die
Weiterentwicklung allen Wissens, insbesondere aber gilt dies für die
Budo-Künste. Schon am Montagabend wurde deutlich, dass das Üben des Jiu Jitsu in
dieser Woche klar den Mittelpunkt des Tages (bis in die Nacht hinein) darstellen
sollte, denn von 19:00 Uhr bis manchmal 23:30 Uhr wurde intensiv Jiu Jitsu
geübt.
Tagsüber nutze man die Zeit für Gespräche über den weiteren Aufbau des
griechischen Verbandes. Hierbei konnten die über Jahrzehnte im DJJB gewonnenen
Erfahrungen sinnvoll eingebracht werden. – Solon: „Habe nicht mehr Recht als
deine Eltern.“
Auch am Dienstag konnten die griechischen Jiu-Jitsuka erneut vom Wissen und von
den Erfahrungen der beiden erfahrenen Jiu-Jitsu-Lehrer aus Deutschland
profitieren und ihr Repertoire ausbauen. Was die ´alten Griechen´, – man sieht
sich in Griechenland wohl eher als Hellene – vor Jahrtausenden entwickelt und
anderen Kulturen gespendet haben, das geht nun auf dem Wege der Freundschaft in
Form des Jiu Jitsu wieder zurück.
Es gelang unter anderem durch die positive Atmosphäre im Dojo, in dem
diszipliniert und intensiv geübt wurde. – Chilon: „Zu den Festen der Freunde
gehe langsam, zu ihrem Unglück schnell.“ Der Mittwoch lud zunächst zum
Sonnenbad am Strand einschließlich mit schwimmen und tauchen ein, wobei die
Sonne Griechenlands bei dem einen oder anderen Sonnenanbeter von ihrer ´starken´
Seite zeigen sollte. Dies hielt jedoch keinen der ´Strandbesucher´ davon ab,
abends wieder mit weißem Gi auf der Matte zu stehen… – Pittakos: „Erkenne
den rechten Zeitpunkt.“

Den rechten Zeitpunkt auszuloten ist nicht nur im Alltag von großer
Wichtigkeit, sondern auch in der Kampfkunst und Selbstverteidigung
entscheidet der rechte Zeitpunkt über Erfolg oder Misserfolg. Aber auch der
Beginn der Prüfungsvorbereitung und das Timing sowie die Krafteinteilung
während einer Prüfung im Jiu Jitsu sind an die Kenntnis des richtigen
Zeitpunktes gebunden. Im Rahmen des Trainings am Donnerstag wurde dies mit
in den Mittelpunkt gestellt. – Bias: „Geh langsam ans Werk; aber was du
begonnen, bei dem harre aus.“ Am Freitag wurde im Verein von Christos
Barberis ein Lehrgang für alle interessierten Jiu-Jitsu-Vereine
ausgerichtet.
Vier Vereine aus Xanti, Drama, Lokomotivi nahmen teil. Fast 80 sehr
interessierte Teilnehmer haben intensiv trainiert und wieder eine Menge
Techniken erlernt und bereits Bekanntes verbessert. Für nächstes Jahr
wünschen sich die Vereine einen erweiterten Lehrgang über den ganzen Tag.
Die Motivation ist denkbar gut, die Planungen für einen erweiterten Lehrgang
im Jiu Jitsu laufen bereits. Angesichts dieses positiven Feedbacks wird
deutlich, dass Beharrlichkeit für die griechischen Jiu-Jitsuka einen
besonderen Stellenwert hat. – Kleobulos: „Maßhalten ist das Beste.“
Schon im Mittelalter gehörte die Tugend des ´Maßhaltenkönnens´ zu den
wesentlichen Tugenden der europäischen Ritter; auch den Samurai (den
´Rittern Japans´) ermöglichte diese wichtige Tugend ihren unvergleichlichen
Erfolg. Der Samstag gehörte den Prüflingen von Christos Barberis´ Verein. 14
Prüflinge bestanden eine gute Prüfung zum nächsten Kyu-Grad. Am Samstagabend
saßen dann alle (mit Familie und Anhang) gemeinsam in einer Taverne
zusammen, um die bestandenen Prüfungen und den Abschied zu feiern.
Im Abschied liegt schon wieder der Gedanke des Wiedersehens, denn der auf
Freundschaft beruhende deutsch-griechische Austausch war wieder ein voller
Erfolg. Yin und Yang lassen grüßen… – Periandros: „Habe das Ganze im
Sinn.“ Wer das Ganze im Sinn hat, wie es Dieter Lösgen und Josef
Djakovic seit längerer Zeit praktizieren, denkt über den bekannten
´Tellerrand´ hinaus, unterstützt die Verbreitung und Pflege des Jiu Jitsu im
nationalen und internationalen Kontext und verschließt sich selbst auch
nicht den wertvollen Einflüssen, die von außen einwirken können. So schloss
sich nach einer intensiven Woche am Sonntagnachmittag wieder der Kreis.

Die nächste Herausforderung sind die 20. Internationalen Meisterschaften der United Nations of Ju Jitsu, die vom 26.-28. August 2011 in New York stattfinden.
Text: Josef Djakovic, Volker Schwarz, Andreas Dolny
Bilder: Josef Djakovic