Das alljährliche KID-Seminar, das traditionsgemäß im ersten Monat eines neuen
Jahres, also im Januar stattfindet und fester Bestandteil der Verbandskultur der
Korporation Internationaler Danträger (KID) ist, fand in diesem Jahr wieder im
Sportzentrum in Radevormwald statt. Aus allen Teilen der Bundesrepublik waren
die Mitglieder der KID angereist.
Noch bevor es in die Jahreshauptversammlung mit anschließendem Neujahrsessen
ging, hatte man es sich im Sportzentrum gemütlich gemacht und das eine oder
andere Gespräch führen können. Der diesjährige Winter gab sich nach dem weißen
Jahreswechsel am Seminarwochenende grau und trist, doch das störte hier
niemanden, denn an diesem Wochenende konnte man die „Atmosphäre“ selbst
gestalten, wovon die Teilnehmer regen Gebrauch machten. Der Abend wurde lang,
schließlich hatte man sich viel zu erzählen...
Am Samstagmorgen ging es dann nach dem Frühstück in den Tagungsraum, wo zunächst
die Themen vom Vorjahr und deren Umsetzung besprochen wurden. Hierzu zählte
unter anderem, dass die neue Jiu Jitsu Prüfungsordnung des Deutschen Jiu Jitsu
Bundes nun in den Druck geht und mit einer Übergangsfrist von einem Jahr in
Kraft tritt.
Es folgten die diesjährigen Seminarthemen, die dieses Jahr mit einem praktischen
Teil begonnen. Unter der fachkundigen Leitung des diesjährigen Gastreferenten
Thomas Preston übten sich die Seminarteilnehmer in der Kunst des
traditionellen japanischen Schwertkampfes. Thomas Preston (5. Dan Kendo, 3. Dan
Iaido), der lange in Japan gelebt und Japanologie studiert hat, unterrichtet
unter anderem die Kampfkünste Kendo, Iaido, Karate, Chodo, Tanto und Wakizashi.


Es wurden in dieser ersten Trainingseinheit verschiedene Bewegungsfolgen mit
dem Bokuto (Holzschwert) geübt. Thomas Preston referierte über die
verschiedenen Grundstellungen und die sich aus diesen ergebenen Schnitte und
Stöße mit dem Schwert. Er erklärte, dass ein Schwertkampf für gewöhnlich nur
wenige Augenblicke dauert, da das Schwert eine tödliche Waffe ist. Nach dem
Mittagsessen folgten weitere theoretische Seminarthemen, die sich dieses
Jahr zunächst ausführlich mit den kommenden 20. Internationalen
Meisterschaften der United Nations of Ju Jutsu (UNJJ) am 26. bis 28.08.2011
in New York beschäftigten.
Viele Detailfragen konnten abschließend geklärt werden. Es referierte
alsdann Volker Schwarz über das Thema: Kinder und Jugendliche in unserer
Gesellschaft. Im Mittelpunkt des Vortrags stand die generelle Frage, in
welcher Form der Schutz von Kindern und Jugendlichen – welche die Zukunft
nicht nur im Budo, sondern die der Menschheit selbst sind – in der
Gesellschaft unterstützt werden kann.
Den nächsten Vortrag hielt der Gastreferent Thomas Preston. Er sprach
ausführlich über die Samurai und deren Ehrenkodex Bushido. Erläutert wurde
nicht nur die Frage der religiösen Einflüsse aus dem Shinto, Zen-Buddhismus
und Konfuzianismus, sondern auch die geschichtliche Entwicklung der Samurai
in Japan wurde spannend dargestellt. In den Stunden vor dem Abendessen ging
es noch einmal auf die Matte. Dieter Lösgen (10. Dan Jiu Jitsu) zeigte, dass
allein eine Abwehrtechnik in verschiedener Variation auf eine Vielzahl von
verschiedenen Angriffen anwendbar sein kann.

Oft mussten nur Nuancen variiert werden, um einen vollkommen anderen Angriff
abzuwehren. Der Sonntagmorgen begann nach dem Frühstück mit dem Thema:
Vorstufe zur KID für Jungdanträger. Referent Denis Heinrich beleuchtete das
Verfahren der Aufnahme von Anwärter in die KID und stellte dies hinsichtlich
einer fortlaufenden Optimierung und Weiterentwicklung aus verschiedenen
Blickwinkeln dar. Der Abschluss des praktischen Seminarteils unter der
Leitung von Thomas Preston befasste sich wiederum mit dem traditionellen
japanischen Schwertkampf.
In Partnerübungen wurden verschiedene Techniken erlernt, die sich mit der
Überwindung eines ebenfalls mit dem Schwert bewaffneten Gegenübers
beschäftigten. Aus der Grundstellung heraus wurde die Distanz zum Partner
überwunden und dieser mittels eines Wurfes oder eine Hebeltechnik geworfen
oder entwaffnet. Nach dem abschließenden gemeinsamen Mittagsessen, fuhren
alle Teilnehmer mit vielen neuen Ideen und der Gewissheit, etwas Bleibendes
für die KID und das Jiu Jitsu getan und gelernt zu haben nach Hause, denn „Man
soll unersättlich im Lernen und unermüdlich im Lehren sein.“ –
Konfuzius.

Text: Andreas Dolny, Volker Schwarz
Bilder: DJJB