Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für Dieter Lösgen

Dieter Lösgen (10. Dan Jiu Jitsu, Präsident KID/DJJB) hat am 19. Januar 2012 aus den Händen von Ute Schäfer (NRW-Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport) in einem feierlichen Rahmen im Landtag Nordrhein-Westfalens in Düsseldorf das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse erhalten.
Dieter Lösgen gelte als eine der „Galionsfiguren im deutschen und internationalen Jiu-Jitsu-Sport", erklärte Ministerin Schäfer in einer Pressemitteilung. Sie betonte weiter, dass er sich (…) „durch sein jahrzehntelanges Engagement und sein hohes internationales Ansehen (…) große Verdienste“ erworben habe. Mit dieser hohen Auszeichnung wurde der jahrzehntelange Einsatz für die Kampfkunst (und den Sport) Jiu Jitsu im nationalen und internationalen Bereich gewürdigt.

Dieter Lösgen wurde am 14. August 1942 geboren. Knapp zehn Jahre später – im Jahr 1952 begann mit dem Üben des Judo ein beispielhafter WEG, der im Jahre 1962 mit der Prüfung zum 1. Dan Judo einen ersten Gipfelpunkt erreichen sollte. Die Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg waren völlig anders als heute. Deutschland war geteilt und die Vier Alliierten hatten das Sagen – somit war zunächst auch das Jiu Jitsu als Kampfkunst bis 1949 verboten.
Die Ausbildung Dieter Lösgens im Judo und im Jiu Jitsu erfolgte ab 1956 parallel. Der 1. Dan in einer japanischen Kampfkunst ist an sich eine besondere Leistung, welche nach vielen Jahren des Kämpfens den Budoka zu der Überzeugung kommen lassen kann, dass es jetzt „reicht“. Manche beflügelt diese Leistung und motiviert zu weiteren Prüfungen. Sehr wenige – zu diesen Ausnahmepersönlichkeiten zählt Dieter Lösgen – sind in der Lage „Berge zu bewegen“.
Diesen Gedanken hat sich der Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse zu eigen gemacht, und zwar aus dem inneren Willen heraus, sich in den Techniken des Judo und Jiu Jitsu zu bewegen, zu üben, zu verändern, unermüdlich zu verbessern, Generationen von Schülern im Jiu Jitsu von Mon-, Kyu- bis Dan-Grad zu prüfen – all dies im Sinne der Kampfkunst Jiu Jitsu. Die Kraft, die ein Mensch braucht, um über Jahrzehnte immer wieder diesen WEG zu gehen, ist die Kraft, die tief im Inneren des Budoka wirkt wie ein nie versiegender Brunnen. Es zählen die selbst gefundenen Herausforderungen, die wie Berge sind, und der unbeugsame Wille, sich diesen Herausforderungen selbst zu stellen. Wenn die Herausforderung gemeistert bzw. der Berg bestiegen ist, dann genießt man vom Gipfelkreuz aus das unvergleichliche Panorama.
Aus diesem Brunnen der Stärke – die nach Ovid (...) von selbst gedeiht (…) –, dessen WEG mit dem 1. Dan Judo begann, schöpft Dieter Lösgen. Im Jahre 1968 entschied sich sein WEG für das Jiu Jitsu; die Prüfung zum 1. Dan Jiu Jitsu wurde abgelegt, im Jahr darauf die zum 2. Dan Jiu Jitsu. Es folgten der 3. Dan Jiu Jitsu (1970) und der 4. Dan Jiu Jitsu (1972), die in Berlin unter Erich Rahn abgelegt wurden; drei Jahre später folgte die Prüfung zum 5. Dan Jiu Jitsu unter Erich Rahn und Robert Tobler, ebenfalls in Berlin. Die Teilung Deutschlands (und Berlins) nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte sich auch auf das Jiu Jitsu aus, denn Berlin war eine Insel hinter dem „Eisernen Vorhang“. Die Prüfungsvorbereitungen für eine höhere Dan-Prüfung im Jiu Jitsu gestalteten sich unter anderem über so genannte „Lehrbriefe“ die Erich Rahn von Berlin aus verschickte.
Die heutigen Möglichkeiten der Fortbildung und Vorbereitung für eine anstehende Dan-Prüfung im Jiu Jitsu sind die Übenden deutlich einfacher und sind dem unermüdlichen Wirken der Großmeister im Jiu Jitsu des DJJB zu verdanken. Ein Grundgedanke hierbei war das Verbindende – der Bund. Schon in dieser Zeit pflegte Dieter Lösgen internationale Kontakte, unter anderem zu dem Schweizer Großmeister Robert Tobler, bei welchem er (jeweils mit Prüfung!) im Jahr 1977 den 6. Dan Jiu Jitsu und 1979 den 7. Dan Jiu Jitsu ablegte. Drei Jahre zuvor hatte Dieter Lösgen bereits die „Erich Rahn Gedenkmedaille“ erhalten, 1980 folgte die „Ehrenwürde eines Samurai“.
Im Jahre 1983 erhielt Dieter Lösgen in Mülheim an der Ruhr aus den Händen von Großmeister Hans Gert Niederstein (10. Dan Jiu Jitsu) den 8. Dan Jiu Jitsu. Der verbindende Gedanke hatte sich schon im Januar 1975 manifestiert, denn unter der Führung des 1985 verstorbenen Großmeisters Hans Gert Niederstein Hanshi (10. Dan Jiu Jitsu) und den Mitgliedern der Korporation Internationaler Danträger (KID) wurde der Deutsche Jiu Jitsu Bund (DJJB) gegründet.
In dieser Tatsache spiegelt sich der Wunsch nach der Einheit von Form und Inhalt wider. Ohne Form kein Inhalt und umgekehrt. Die Übenden des Jiu Jitsu waren „Inhalt“, suchten nach „Form“ und schufen diese in Gestalt von KID und DJJB. Nach seinem Tod bestimmte Hans Gert Niederstein Dieter Lösgen zu seinen Nachfolger, welcher, nach der testamentarisch verfügten Verleihung des 9. Dan im Jiu Jitsu, ebenfalls Präsident dieses Deutschen Jiu Jitsu Bundes wurde und derzeit ist. Gleichzeitig füllt er das Amt des Bundestrainers im fachsporttechnischen Bereich aus. – Es ist die Summe der Leistungen Dieter Lösgens im In- und Ausland, die ihn zu einer Ausnahmepersönlichkeit machen.
Im Jahre 1996 schloss sich der „Kreis“ und Dieter Lösgen, der in seinem beruflichen Wirken als Heilpraktiker, Masseur und Physiotherapeut im Dienste der Gesundheit wirkte, wurde von der United Nations of Ju-Jitsu sowie von Paul Belous (10. Dan Jiu Jitsu) im Auftrag der Internationalen Assoziation für asiatische Kampfkünste der 10. Dan Jiu Jitsu und der Titel „Hanshi“ verliehen. Die Leistungen Dieter Lösgens im Einzelnen aufzuzählen, würden den Rahmen dieser Betrachtung sprengen.
Es folgten weitere 15 Jahre intensiven Schaffens und Wirkens für die alte japanische Kampfkunst Jiu Jitsu, die vor mehr als 100 Jahren in Deutschland so gut Fuß fassen konnte. Als Träger des 10. Dan muss man sich neue Herausforderungen suchen, die „Luft“ wird dünn hier oben. Im Jahr 2011 hatte Dieter Lösgen bereits die Plakette für hervorragende Verdienste in der Betreuung von Sportlern aus den Händen Essener Oberbürgermeisters Reinhard Paß erhalten.
Parallel hierzu entstand in den Reihen der Menschen um Dieter Lösgen der Gedanke, dass sein Lebenswerk noch auf eine zusätzliche Art und Weise gewürdigt werden sollte: das Bundesverdienstkreuz. Die Initiative für den Ordensvorschlag ging vom Turnerbund Frintrop, dem Heimatverein Dieter Lösgens, aus und wurde vom Deutschen Jiu Jitsu Bund und der United Nations of Ju Jitsu tatkräftig unterstützt. Das Bundesverdienstkreuz wird üblicherweise im Rahmen einer Erstverleihung als Verdienstkreuz am Bande (zweite Stufe) verliehen. Im Falle von Dieter Lösgen konnten die Ausführungsbestimmungen sofort eine höhere Stufe bei der Erstauszeichnung vorsehen, was nur in Sonderfällen geschieht.
Seitens der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalens wurde der Ordensvorschlag des Turnerbundes Frintrop angehoben und dem Bundespräsidenten zur Entscheidung vorgelegt, was dieser im September 2011 befürwortete. Somit zieht die im Budo so wichtige „Form“ jetzt wieder mit dem „Inhalt“ gleich. Höchste Form und exzellenter Inhalt – das zeichnet die Persönlichkeit Dieter Lösgen aus, der sich in seinem 70. Lebensjahr und dem 60. Jahr auf der „Matte“, die sein zweites Zuhause ist, befindet.
Die Vollendung dieses Gedankens erfolgte nun mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse im Düsseldorfer Landtag. Das Jahr 2012 hat auch für Dieter Lösgen schon wieder Herausforderndes auf der Agenda: Am 12./13. Mai finden die Deutschen Meisterschaften im Jiu Jitsu in Krefeld statt. In der Zwischenzeit gibt es aber im Rahmen der Fußball EM, die vom 8. Juni bis zum 1. Juli 2012 in Polen und der Ukraine stattfinden wird, auszuspannen.
Apropos Fußball: Auch Jupp Derwall, Berti Vogts, Otto Rehagel (als „Rehakles“ bekannt) und Wolfgang Overath gehören unter anderem zu den mit dieser hohen Auszeichnung geehrten (sportlichen) Persönlichkeiten. Zusätzlich zu den nationalen Aufgaben richtet Deutschland in diesem Jahr vom 9. - 13. August den 21. UNJJ-Kongress in Willingen/NRW aus. Am Tag darauf, wenn die Aufgaben erledigt sein werden – dann steht der 70. Geburtstag Dieter Lösgens an. Allemal ein Grund, die Zeit im Rahmen von Familie und Freunden für einen Moment anzuhalten, und auf bedeutende Leistungen zu schauen, von denen unzählige Menschen bis heute und für die Zukunft profitieren.
Der Deutsche Jiu Jitsu Bund gratuliert Dieter Lösgen zu dieser hohen Auszeichnung und wünscht seinem Präsidenten noch viele, viele gute Jahre des Schaffens und Wirkens.

Text: Volker Schwarz & Andreas Dolny
Bilder: Karoline Seck