Deutscher Jiu Jitsu Bund

Wie es Tradition ist, fand das KID-Seminar der Korporation Internationaler Danträger (KID) wieder zu Beginn des neuen Jahres, diesmal vom 23. bis 25. Februar 2024 im Sportzentrum Radevormwald statt. Der Februar zeigte sich bei der Anreise der Mitglieder der KID, die aus allen Teilen der Bundesrepublik zum Seminar kamen, regnerisch und nass. Noch bevor man sich am Freitagabend zum Abendessen traf, hatte man es sich im Sportzentrum gemütlich gemacht und das eine oder andere Gespräch führen können.
Der Abend des ersten Seminartages mit zahlreichen fachsportlichen und privaten Themen wurde in der "Dual-Bar" gemütlich und spät, schließlich hatte man sich noch viel zu erzählen... In diesem Rahmen wurden auch Mitglieder der KID für ihre langjährige aktive Mitarbeit geehrt. – Am Samstag-morgen ging es dann nach dem Frühstück in den Tagungsraum, wo zunächst die Themen vom Vorjahr und deren Umsetzung besprochen wurden. Gemeinsam mit dem Präsidenten von KID/DJJB, Josef Djakovic (9. Dan Jiu Jitsu), präsentierte der Vorsitzende von KID/DJJB, Denis Heinrich (4. Dan Jiu Jitsu), einen kompakten Rückblick auf die wichtigen Themen des vergangenen Jahres und einen Überblick über die diesjährigen Seminarthemen. Insbesondere ging es um die Weiterentwicklung und Verbesserung des Lehrgangsanmeldeverfahrens auf der Internetseite des DJJB.
Es folgten die Berichte der Referenten der jeweiligen Ausschüsse (Lehr- und Prüfungswesen, Gleichstellung und Prävention, Jugend, Mitglieder, Wettkampf, Digitalisierung, Öffentlichkeitsarbeit, Material und technisches Gremium) über ihre Tätigkeit und die erzielten Fortschritte und Ergebnisse. Anschließend referierte Harald Westrich (6. Dan Jiu Jitsu) über die 12. Deutschen Meisterschaften des Deutschen Jiu Jitsu Bundes (DJJB) im Jiu Jitsu, die am Wochenende vom 4./5. Mai 2024 in Otterbach (RP) stattfinden werden. Die Deutschen Jiu Jitsu Meisterschaften des DJJB werden vom Zen-Bogyo-Do e.V. ausgerichtet. Aber auch die internationale Ebene wird nicht zu kurz kommen. Die diesjährigen 28. Internationalen Meisterschaften der United Nations of Ju Jitsu (UNJJ) sollten ursprünglich in Budapest, Ungarn stattfinden. Dies war jedoch aus verschiedenen Gründen nicht möglich, so dass Ungarn die Ausrichtung der Meisterschaften kurzfristig zurückziehen musste und seitens der UNJJ ein neuer Ausrichter gesucht werden musste. In diesem Zusammenhang hat sich Deutschland und damit der DJJB bereit erklärt, die Ausrichtung dieser Meisterschaften zu übernehmen. Die 28. Internationalen Meisterschaften werden nun vom 4. bis 7. Oktober 2024 in Otterbach (RP) stattfinden.
Insgesamt wird deutlich, dass KID und DJJB sich mit Blick auf den Leitspruch Effektive Selbstverteidigung und traditionelle Werte in besonderem Maße für die Weiterentwicklung unseres Jiu Jitsu als Selbstverteidigung, Kampfsport und Kampfkunst engagieren, was sich auch in der Wahl der Referentin für den praktischen Teil des KID-Seminars widerspiegeln sollte.
 

Der sich anschließende praktische Teil des KID-Seminars in Radevormwald wurde von der eingeladenen Referentin Marie Niino (5. Dan Karate) durchgeführt. Sie gab zunächst eine theoretische Einleitung zum praktischen Teil und referierte über ihren sportlichen Lebenslauf: Sie hat klassisch mit Judo begonnen und wechselte später ins Karate, welches sie nun seit 30 Jahren übt. Sie hat sehr erfolgreich an zahlreichen nationalen und internationalen Wettkämpfen teilgenommen und sah hierin stets eine Möglichkeit zu sehen, wo sie steht. In Theorie und Praxis gab sie einen hervorragend nachvollziehbaren, strukturierten Überblick über die Grundprinzipien des Karate.
 

Sie ging darauf ein, dass es für den Übenden im Karate kein sofortiges "Feedback" gebe, wie es beispielsweise im Judo der Fall sei. Beim Judo merkt man sofort, ob der Wurf funktioniert oder nicht. Dies ist beim Üben von Tritten und Schlägen im Karate anders, weil die physikalische Wirksamkeit nicht automatisch visualisiert wird. Für die Referentin war ferner wichtig, dass bei der Ausführung einer Technik die korrekte Ausführung derselben und die Gesundheitsorientierung untrennbar zusammengehören. So sollen die Techniken als natürliche Bewegungen des Körpers "aus diesem heraus" erfolgen und keineswegs gegen biomechanische Grundsätze gerichtet sein. Auch die Wirksamkeit der Technik erfolgt aus den Einzelbewegungen heraus, wobei sowohl die korrekte biomechanische Ausführung als auch die mit möglichst wenig Muskelwiderstand ausgeführte Summe aller Bewegungen und das Gegenspieler-Prinzip bei allen beteiligten Muskelgruppen berücksichtigt werden müssen.
Auf der Matte wurden dann mit diesen Vorüberlegungen als Stütze für das (Körper)Gedächtnis Schlag- und Tritttechniken im Detail geübt und hierbei neue und wertvolle Perspektiven auf die eigenen Bewegungen gewonnen. Besonderer Wert wurde auf die Vorübungen zur eigentlichen Schlag- oder Tritttechnik gelegt. In diesem Zusammenhang wurden der Mae Geri, der Yoko Geri und der Ushiro Geri erläutert und in seinen kleinsten Einzelbewegungen betrachtet, analysiert und anschließend geübt. Für uns als Jiu Jitsuka, die sich mit einer enormen Vielzahl von Einzeltechniken gegen die verschiedensten Angriffe beschäftigen, ist die Auseinandersetzung mit den Basistechniken – mit den "kleinen" Bewegungen, die in aller Konsequenz erst in einem größeren Zusammenhang (als Kette von Bewegungen) die Abwehrtechnik in ihrer Komplexität ermöglichen – von essenzieller Bedeutung.
Auch dies wurde im Rahmen des praktischen Teils sehr deutlich. Es lag sicherlich auch daran, dass ein ausgeprägtes Bewusstsein für die Weiterentwicklung von Individuum und Verband unter den Anwesenden vorherrschte. Schließlich – so die einhellige Meinung – darf man sich nie dafür zu schade sein, etwas neu zu betrachten und sich selbst im Sinne des eigenen Fortschritts zu ergänzen. – Nach dem Abendessen traf man sich wieder in der "Dual-Bar", wo die Eindrücke des Tages besprochen und eingeordnet wurden.
Am Sonntag nach dem Frühstück ging es zurück auf die Matte. Die Gastreferentin begann ihren zweiten Lehrgangsteil mit Übungen zur Energieentfaltung und zur Entspannung von Körper und Geist, schloss dann an den praktischen Teil vom Samstag an und ging nochmals umfassend auf die Tritte Mae Geri und Mawashi Geri ein. Wie anstrengend ganzheitliche Grundlagenarbeit sein kann – das erfuhren die KID-Teilnehmer an diesem Sonntag auf besondere Art und Weise, denn Geist und Körper bilden eine untrennbare Einheit.
 

Nach dem abschließenden gemeinsamen Mittagessen fuhren alle Teilnehmer mit vielen neuen Ideen und der Gewissheit, etwas Bleibendes für die KID und das Jiu Jitsu getan und gelernt zu haben nach Hause, wo dann in den Heimatdojos des DJJB die neu erlernten Impulse umgesetzt werden. „Der Weg ist das Ziel“, sagt Konfuzius.
Wir haben an diesem Wochenende wieder neue Facetten unseres Weges kennen lernen dürfen. Hierfür geht ein herzlicher Dank an unsere Referentin, Marie Niino, welche uns nicht nur in technischer Hinsicht und durch ihre charismatische Darstellungsweise vollauf begeisterte, sondern uns auch viele in der japanischen Sprache enthaltene Inhalte auf beeindruckende Art und Weise näherbringen konnte. – Arigato Gozaimasu –

Text: Andreas Dolny & Volker Schwarz
Bilder: DJJB