Deutscher Jiu Jitsu Bund

Der diesjährige Jiu Jitsu Ü50 Lehrgang fand im Dojo des Grundschulvereins Bonsaido e. V. in Duisburg-Meiderich statt.
Als Referent konnte Dieter Mäß, 9. Dan Jiu Jitsu, gewonnen werden, der sich wieder einiges einfallen ließ. Da die Ü50 Teilnehmer aus verschiedenen DJJB-Vereinen kamen und bereits Vorkenntnisse in der Selbstverteidigung hatten, ging es bei diesem Ü50 Lehrgang weniger um das Erlernen der Grundlagen, sondern vielmehr um die Anpassung bestehender Kenntnisse an veränderte körperliche Voraussetzungen (nachlassende Kraft/Beweglichkeit) sowie um mentale Auffrischung und taktische Anpassungen im Alter.

Nach der Begrüßung und dem anschließenden schweißtreibenden Aufwärmen, begann Dieter Mäß mit dem aktiven Teil. Jeder der Teilnehmer bekam ein weißes T-Shirt, auf dem der jeweilige Vorname geschrieben werden musste. Jeder wusste sofort, wer er war, was peinliche Momente des Namenvergessens vermeiden sollte.
Zuerst mussten Abwehren geübt werden, wo Verteidiger und Angreifer, die durch ein Seil verbunden waren, sich abwechselnd angreifen mussten. Ziel war es, die Koordination, den Körperkontakt und das Verteidigen zu trainieren. Hierbei konnten Verteidiger/Angreifer nicht "weggezogen" werden oder den Kontakt zum Gegenüber verlieren.
Bei der ersten Übung mit einem kleinen Ball am Gummiband (Boxreflexball) mussten alle zur Verbesserung von Schlaggenauigkeit, Reaktion und Timing im Jiu-Jitsu mit dem Ball am Gummiband üben. Es ging um die Hand-Augen-Koordination, Schnelligkeit und Konzentration. Der Ball kehrte durch das Gummiband unvorhersehbar zurück, was schnelle Reflexe erforderte. Für die Teilnehmer war das Training mit dem Reflexball (auch Fight Ball) sehr anstrengend, da der ganze Körper ständig in Bewegung war.
 

Da die Nutzung eines Gehstocks als effektives Abwehrinstrument zur Ergänzung bei der Verteidigung helfen kann, zeigte Mäß verschiedene Abwehrtechniken mit dem Spazierstock, die die Teilnehmer anschließend üben mussten. Bei den anschließenden Kurzstockabwehren kamen Schwimmnudeln zum Einsatz, um Verletzungen auszuschließen. Die Angreifer nutzten die Schwimmnudeln, um Schläge oder Haken zu simulieren. Dies ermöglichte es den Trainierenden, das Ausweichen zu üben, ohne Verletzungsrisiko. Alle hatten Spaß mit der Schwimmnudel, da spielerisch Reaktionsgeschwindigkeit, Koordination und Ausweichen gefördert wurden. Durch den Einsatz der Schaumstoffnudeln wurden Hemmungen abgebaut, was ausgiebig von den Teilnehmern genutzt wurde.
Ein einfacher Kugelschreiber lässt sich im Notfall hocheffektiv als Schlag- und Druckverstärker zur Selbstverteidigung einsetzen. Hier mussten die Teilnehmer als Übungswaffe Holzstäbchen zur Verteidigung aus z. B. einer Umklammerung einsetzen, da ein stabiler Metallstift schwere Verletzungen hätte verursachen können. Anschließend ging es bei Messerangriffen um das richtige Verhalten, da es bei falschen Verteidigungsabwehren zu schwersten Verletzungen oder tödlichen Folgen kommen kann.
 

Dieter Mäß war es wichtig, dass mit einem Edding angegriffen wurde. Ein Edding hinterlässt sichtbare Markierungen auf der Kleidung oder Haut des Trainingspartners. So sieht man sofort, ob ein Stich oder Schnitt "tödlich" oder effektiv gewesen wäre. Bei Übungsmessern wird oft ungenau trainiert, weil der Treffer nicht dokumentiert wird. Die Angreifer mussten den Stift wie eine Waffe führen, was die Ernsthaftigkeit und Konzentration erhöhte. Durch die Spuren auf dem weißen T-Shirt wurde allen deutlich, wo die Lücken in der eigenen Verteidigung lagen, etwa wenn man trotz Abwehr einen "Strich" am Hals oder Torso abbekommen hatte. Allen war klar, dass Weglaufen (Flucht) die erste Wahl sein sollte, Abstand halten, wenn weglaufen nicht möglich ist.
Die Nutzung von Gegenständen kann bei einem Messerangriff Distanz schaffen, um den Angreifer zu blockieren und die eigene Überlebenschance durch Schutz zu erhöhen. Der Einsatz von Schwimmnudeln war der krönende Abschluss. Die Trainingsgruppe bildet zwei Reihen (das Spalier) mit etwas Abstand zueinander. Ein Kämpfer musste sich nun durch diesen Tunnel aus Schwimmnudeln hindurchkämpfen. Die Personen im Spalier versuchten dabei, den Läufer mit den Schwimmnudeln zu treffen. Hier hatten alle viel Spaß.
In der Theorie wurde in der Runde noch über Deeskalation und die Maßnahmen zur Vermeidung von Gewalt und Konflikten diskutiert. Hauptthema waren die Sofortmaßnahmen und Deeskalation (vor der Eskalation).
 

Dieser Ü50 Lehrgang bot den teilnehmenden Mitgliedern des Deutschen Jiu Jitsu Bundes wieder eine hervorragende Gelegenheit ihre Fähigkeiten zu vertiefen und neue Perspektiven zu gewinnen. Alle hatten, trotz der ernsten Themen, viel Spaß und waren mit Engagement dabei.

Text: Dieter Mäß
Bilder: René Wittinghofer und Dr. Peter Korneli